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Kastell Saalburg im Taunus: Wo die römischen Soldaten am Limes Wache hielten

In der Saalburg bei Bad Homburg in Hessen                                                                                               ...

In der Saalburg bei Bad Homburg in Hessen                                                                                                                                                                                                                                                                                                      

"Sie verlassen jetzt den römischen Sektor". Nein, ein Schild mit dieser Warnung steht nicht da. Könnte es aber. Zumindest vor 1900 Jahren. Dahinten am Wegrand, überlege ich weiter, könnte ein römischer Soldat an einem Baum gelehnt mich gelangweilt beobachten. Mich, den germanischen Bauern, der zum Handeln im Reich unterwegs gewesen war.


Erdwall, Graben, Holzpalisaden


Der Fußweg führt leicht bergab. Zwei germanische Händler, die einen Ochsen ihren Holzwagen ziehen lassen, kommen mir entgegen. Sie haben gerade die Grenze passiert. Dann sehe auch ich sie: die Grenze. Zwei Erdwälle, ein Graben und Holzpalisaden davor. Am Durchlass kontrollieren Soldaten gerade einen anderen Holzwagen. Ich bin am Limes angekommen. Bereit, das Römische Reich zu verlassen.
Der Limes: Erdwall Graben und Palisaden
So, überlege ich, könnte es hier - unweit der Saalburg im hessischen Taunus - im ersten Jahrhundert nach Christus zugegangen sein. Der Limes, der als Grenze das Römische Reich vom Siedlungsraum der Germanen trennte, war rund 550 Kilometer lang, reichte vom Rhein bis zur Donau.

Zumeist rekonstruierte Reste der römischen Limes-Anlagen mit ihren Gräben, Palisaden und Wachtürmen gibt es heute noch einige. Auch hier in der Nähe von Bad Homburg bei Frankfurt. Denn dort hat man nicht nur ein kleines Stück der Grenze rekonstruiert. Ein ganzes römisches Kastell wurde wiederaufgebaut. Und das schon vor über 100 Jahren. Bauherr des wiedererstandenen Kastells Saalburg war übrigens Kaiser Wilhelm II.



Der Limes liegt verlassen in diesem Waldstück. Der Autoverkehr von der Bundesstraße 456 ist zu hören. Die Straße führt nach Bad Homburg. Diesen Punkt am Limes nennt man den Saalburgpass. Hier, auf dem Höhenkamm des Taunus endet die Rhein-Main-Ebene und das Usinger Becken beginnt. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts besetzten die Römer den Taunus und die Wetterau. Den Limes, hier wurde an Durchgängen wie diesem die Händler aus dem Germanengebiet kontrolliert, sicherten die Römer mit Soldaten, die in Kastellen untergebracht waren.

Ich kehre um, gehe den Waldweg bergan durch mein imaginäres römisches Reich. Nach wenigen Hundert Metern erreiche ich eine Ansammlung von Erdwällen und Mauern. "Schanze A" und "Schanze B" nennen die Archäologen diese Reste.
Überall findet man Reste des Lagerdorfes
Denn bevor die Römer hier am Limes richtig große Kastelle errichteten, bauten sie zuerst kleinere befestigte Soldatenunterkünfte. Die erste Anlage bestand aus Wällen, Gräben und Flechtwerk. Gewohnt haben die Soldaten in Zelten. Das Camp wurde vermutlich um 75 n. Chr. errichtet. Die Besatzung hatte die Aufgabe, den Taunuspass zu bewachen.

Das kleine Kastell wird zum Kohortenkastell


"Schanze B" daneben bauten die Römer zehn Jahre später. Zwei Gräben, ein Wall und eine Erdmauer mit Wehrgang schützten Holzbarracken im Innern. Die Soldaten, die hier lebten, bewachten den inzwischen errichteten Limes.

Um 135 n. Chr. sandte man mehr und mehr Soldaten an die Grenze im Hochtaunus. Das kleine Kastell wurde zu einem Kohortenkastell mit 600 Soldaten ausgebaut.
Eine Mauer mit Zinnen umgibt das Kastell Saalburg
Ich gehe eine breite Straße entlang. Vor 100 Jahren fuhr man hier Autorennen, erzählt man mir später. Heute parken hier die Pkw der Touristen, die zum Römerkastell Saalburg kommen. Zwischen Bäumen sehen ich die hohe helle Steinmauer, die das Kastell umgibt. Hier entlang der Straße entwickelte sich ein Lagerdorf, Vicus genannt, wo die Familien der Soldaten, die Händler und Handwerker lebten. Für die zweite Raeterkohorte wurde Mitte des 2. Jahrhunderts das erste Holz-Kastell in Steinbauweise erweitert.

Der Haupteingang zur Saalburg/ alle Fotos: Kronenberg

Um das Jahr 200 lebten über 2000 Soldaten und Zivilisten im Bereich der Saalburg. Das war die Blütezeit des Kastells. Wie mag das Leben hier ausgesehen haben? Es gab Bäder, Geschäfte, Gasthäuser, Heiligtümer und dazwischen gradlinige befestigte Straßen. So, wie die Römer zu bauen und leben gewohnt waren. Eine kleine römische Stadt um einen Militärstützpunkt errichtet war entstanden.


Heiligtum, Jupitersäule, Grabhaus

Überall in diesem Waldgebiet entlang der Bundesstaße findet man Mauerreste im Boden - das Überbleibsel der kleinen Siedlung. Dazwischen liegen rekonstruierte Bauten: Heiligtum, Jupitersäule, Grabhaus, aber auch Bauten aus wilhelminischer Zeit.

Entlang mehrerer Ausgrabungen komme ich zur Vorderseite des Kastells - die Seite mit dem Haupteingang. Die Reste einer Badanlage liegen hier am Wegrand.
Der römische Kaiser grüßt den Ankommenden
Der Blick vom Haupteingang auf die vorderen Gebäude
Ab 230 begannen die Angriffe der ins Reich eindringenden Germanenstämme. Das Lagerdorf wurde bei einem der Überfälle zerstört. Ab 260 n. Chr. überfallen immer wieder die germanischen Alemannen die Lager entlang der Grenze, ziehen plündernd umher.

Die Römer gaben den Limes auf. Und damit auch das Kastell. Das Dorf wurde von seinen Bewohnern nun endgültig verlassen. Die Zeit der römischen Herrschaft in Taunus und Wetterau war vorbei - die Anlage begann zu verfallen.

Im Mittelalter als Steinbruch genutzt, waren bald schon kaum noch Spuren der römischen Siedlung zu sehen.


Als Kaiser Wilhelm II.das Kastell entdeckte


Erst im 19. Jahrhundert erwachte das Interesse an der Geschichte. Ausgrabungen am Limes fanden statt. Auch am Kastell Saalburg. Von 1894 war es der Architekt und Altertumsforscher Louis Jacobi aus Bad Homburg, der die Ausgrabungen leitete. Er war es auch, der Kaiser Wilhelm II. (er war öfters in Bad Homburg zur Kur) für das Kastell begeisterte.

1897 veranlasste der Kaiser den Wiederaufbau des alten Römerkastells. Louis Jacobi rekonstruierte die Anlage auf den alten Grundmauern nach den damals bekannten Vorbildern anderer Kastelle. 1907 war der Bau fertig und gilt heute als das besterforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes, der seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Am Eingangstor, dem Haupttor Porta Praetoria, zum Kastell grüßt mich die Statue von Kaiser Augustus Pius mit erhobenem Arm. Nur unter dem strengen Blick der Wachen werden Besucher ins Innerste des Kastells gekommen sein.

147 Metern Breite und 221 Metern Länge


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Im Innern angekommen, ergibt sich der Blick in das rechteckige Kohortenkastell von 147 Metern Breite und 221 Metern Länge und vier Toren. Die Rekonstruktion zeigt den Ausbau des Kastells kurz vor Aufgabe der Anlage.
Die Principia
Über drei Hektar groß ist das Gelände, das mit einer gemörtelten Wehrmauer (Türme gibt es nur an den vier Toren) mit Zinnen umgeben ist. Von außen war die Mauer, vor der ein Graben liegt, übrigens angemalt. Im Innern gibt es eine aufgeschüttete Erdrampe über die Soldaten zur Mauerkrone raufkamen. 

Es geht lebhaft im Innern zu

Im Innern des Kastells geht es lebhaft zu. Allerdings sind keine römischen Soldaten unterwegs, sondern Schüler. Denn gerade für Schüler hat man hier viel getan, bietet jede Menge Lehr- und Lernstoff. Kein Wunder also, dass Schulausflüge zur Saalburg im Raum Frankfurt beliebt sind.
Der Innenhof der Principia

Ich befinde mich in der Praetentur, dem vorderen Kastellbereich, gehe den Hauptweg, die Via Praetoria lang. Hier ist das Praetorium, das Wohngebäude des Kommandanten, gegenüber das Horreum, das Speichergebäude für Getreide.

Hier geht es heute munter zu. Schulklassen bei einer Museumsrallye. Denn im Speichengebäude werden Funde der Ausgrabungen gezeigt, werden Besucher in die Geschichte der Römer in Hessen eingeführt.

Ställe, Magazine, Werkstätten und Mannschaftsunterkünfte.



Auf den freien Flächen draußen muss damals reges Leben geherrscht haben. 600 Soldaten lebten auf engem Raum - denn die heutigen freien Flächen waren zur Römerzeit bebaut. Da gab es Ställe, Magazine, Werkstätten und Mannschaftsunterkünfte.


Hinter den Werkstätten liegt das Zentrum des Kastells. Die Principia, das Stabsgebäude. Durch eine hohe Vorhalle geht es in den auf allen vier Seiten von einem Umgang umgebenen Innenhof. Im Inneren des Hofes gibt es zwei Brunnen, ausgestattete Räume zeigen unter anderem Fahnenheiligtum, eine Küche und rekonstruierte Handwerkerstuben. Hier liegen auch die Werkstatträume, in denen Restaurierungsarbeiten wie auch Kurse für Schüler durchgeführt werden.

Das Fahnenheiligtum
Der Autor des Beitrages vergnügt im Innenhof
Wieder zurück zum Haupteingang erreiche ich den Bereich, wo zwei Mannschaftsbaracken rekonstruiert wurden. In einer befindet sich die Taberna, ein Restaurant im römischen Stil mit römisch klingenden Speisen auf der Karte. 

Ob es hier zur Römerzeit auch eine Taberna gegeben hat? Das jedenfalls frage ich mich, während ich eine Bratwurst gewürzt mit Kräutern aus der römischen Küche (das steht so jedenfalls auf der Speisekarte) esse. Vielleicht, überlege ich, haben ja die Soldaten vor fast 2000 Jahren auch so eine Bratwurst gegessen. Hier im Kastell Saalburg.


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Infos:

Römerkastell Saalburg
Archäologischer Park
Saalburg 1
61350 Bad Homburg

Öffnungszeiten
März bis Oktober täglich 9 - 18 Uhr
November bis Februar Di-So 9-16 Uhr (Mo geschlossen)

Eintritt (2014)
Erwachsene 5,00 EUR
Erwachsene ermäßigt 3,50 EUR
Kinder unter 6 Jahren 3,50 EUR
Kinder / Jugendliche (6-18 Jahre) 3,00 EUR

Web: www.saalburgmuseum.de

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Kastell Saalburg im Taunus: Wo die römischen Soldaten am Limes Wache hielten
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