Remagen: Die Kapelle der Schwarzen Madonna | mit VIDEO

Eine Kapelle erinnert in Remagen an das Kriegsgefangenenlager auf den Rheinwiesen

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Spuren deutscher Geschichte findet man in der Region um Remagen am Rhein überall. Meist sind es am Rhein Burgen aus dem Mittelalter, Festungen, Spuren von Römern und Germanen. Aber auch Erinnerungen an die jüngere deutsche Geschichte  findet man. Eine davon erinnert an das Frühjahr 1945.

Noch bevor das Deutsche Reich am 8. Mai kapitulierte, kamen viele Wehrmachtsangehörige in Gefangenschaft der von Westen vorrückenden US-Soldaten. Entlang des Rheins gab es ab dem April 1945 das US-Sammellager „Prisoner of War Temporary Enclosures“ (PWTE). Jeweils für 50.000 deutsche Kriegsgefangene angelegt, waren es insgesamt 14 Lager.

Fast 170 000 Kriegsgefangene waren im Frühjahr im Kriegsgefangenenlager in Remagen auf den Rheinwiesen. Dieses Kriegsgefangenenlager „Goldene Meile“ erstreckte sich von Remagen bis Niederbreisig und wurde dann im Juli 1945 aufgelöst.

Grausame Szenen müssen sich in diesem überfüllten Lager abgespielt haben. Es gab keine Unterkünfte für die Soldaten. Erst grub man sich Löcher in den Boden, in denen man übernachtete, später gab es einige Zelte. Krankheiten grassierten dort, viele starben an Erschöpfung. Weit über 1000 Gräber deutscher Soldaten aus dem Lager findet man auf einem nahen Friedhof.

Friedenskapelle erinnert an das Soldatenschicksal

1998 wurde auf dem Gelände des Remagener Lagers der RheinAhrCampus, ein Standort der FH Koblenz, gebaut. Moderne Gebäude am Rheinufer, doch dazwischen an der Einmündung der Joseph-Rovan-Allee, der ehemaligen Südallee, in die von Remagen nach Kripp führende Goethestraße, steht die Friedenskapelle „Schwarze Madonna“. Sie erinnert an das Lager und das Schicksal der Soldaten.

Gebaut wurde sie in den 80er Jahren aus Spendengeldern und auf Initiative des ehemaliger Remagener Bürgermeisters Hans Peter Kürten, der auch das Museum in der Remagener Brücke baute.

Die Kapelle ist ein schlichter, an den Seiten offener Rundbau. Sie ist wie ein Zeltdach gebaut. Wind und Regen können durchfegen, so – wie bei den Zelten der Kriegsgefangenen 1945. Oben auf der Kapelle befindet sich ein Dornenkranz. Er soll an den Stacheldraht, der das Lager umgab, erinnern.

Kopie der Schwarzen Madonna

In der Kapelle befindet sich hinter einem Gittern die Kopie der “Schwarzen Madonna”. Das ist eine Marienfigur mit dem Kind auf den Armen. Das Original (es befindet sich in einer Kirche) wurde 45 vom Lagerinsassen Adolf Wamper aus Lehm und Brot geschaffenen. Er hatte die Madonna dem Pfarrer von Kripp übergeben. Kürten ließ die Kopie anfertigen und in der Friedenskapelle aufstellen.

Die Remagener Friedenskapelle ist bis heute die einzige Kapelle in Deutschland, die an ein Kriegsgefangenenlager erinnert.

Tipp: Von Remagen Richtung Kripp fahren. Die Kapelle liegt kurz vor Kripp an einer Straßeneinmündung. Gegenüber stehen Unigebäude. Gegenüber der Kapelle die Straße reinfahren, dort liegt nach wenigen Metern links ein Parkplatz

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