Auf Suche nach den Drehorten der SOKO Wismar

In der Altstadt von Wismar unterwegs zu den Drehorten der ZDF-Krimiserie SOKO Wismar

Teilen

Millionen lieben die Serie SoKo Wismar, gedreht in der Stadt an der Ostseeküste. Dort kann man sich die Drehorte mit Hilfe einer “Polizistin” ansehen. Mitten auf dem riesigen Marktplatz von Wismar begrüßt mich Ilse Zintner. Sie ist Stadtführerin. Besichtigungen von Fernseh-Drehorten wie SOKO Wismar stehen bei Touristen hoch im Kurs. “Bis zu 25 Gäste nehmen an unseren Führungen freitags um 18 Uhr teil”, sagt Ilse Zintner. Zwei Gästeführerinnen teilen sich in Wismar diese Arbeit. Ihr Thema: Die Drehorte der ZDF-Serie SOKO Wismar.

Führung zu den Drehorten der SoKo Wismar

“Und liegt der Fall auch noch so schwer. Wir bleiben cool und denken quer. Dann kommen wir drauf. Dann drehn wir auf. Und konsequent wird einer klein. Wir segeln los die Straßen lang. Wir finden jeden Mister Unbekannt. Ob kleine Fische, ob großes Moos. Die SOKO Wismar powert los…”  Wer zu den rund vier Millionen TV-Zuschauern gehört, die regelmäßig mittwochs um 18 Uhr das ZDF einschalten, der kennt diese Zeilen. Der Themen-Song der Krimiserie “SOKO Wismar”. Getextet und unnachahmlich gesungen von Udo Lindenberg.
Die SOKO Wismar wird größtenteils in Wismars Altstadt gedreht
Das Team von SOKO Wismar. Dieses und das Foto oben Quelle: ZDF

 

Dann sorgt während der nächsten Stunde das fünfköpfige Team um Chef Jan Reuter in der Stadt Wismar wieder für Recht und Ordnung. Denn Kriminalhauptkommissar Jan Reuter (Udo Kroschwald), Kriminalhauptkommissarin Katrin Börensen (Claudia Schmutzler), Kriminaloberkommissar Lars Pöhlmann (Dominic Boeer), Polizeihauptmeister Kai Timmermann (Mathias Junge) und die Hoofdagentin der niederländischen Polizei Anneke van der Meer (Isabel Berghout) – sie ersetzt seit der aktuellen Staffel nach zehn Jahren die finnische Austauschpolizistin Poliisikonstaapeli Leena Virtanen (Li Hagman) – sind nun wieder auf Verbrecherjagd in der UNESCO-Weltkulturerbestadt.
Und die wird im Vorspann schon ausgiebig von bester Seite gezeigt. Mit dem Hubschrauber fliegt der Zuschauer über Hafen und Altstadt – und erhält einen prächtigen Blick auf Wismar.

 

Stadtführerin Ilse Zintner in finnischer Polizeiuniform
Sie führt Touristen zu den SOKO-Drehorten

Mit einer Polizistin zur SOKO Wismar

Meine Stadtführerin trägt eine finnische Polizeiuniform. Dunkelblau ist sie und “POLIISI” steht auf dem Jackenaufnäher. Ist es zu Ehren der gerade ausgeschiedenen finnischen Polizistin Leena? “Nein, nein”, lacht Ilse Zintner, “in dieser Uniform führen wir schon seit langem die SOKO-Touristen.” Etwas, dass den Gästen Spaß macht und viele Anlässe zum Gespräch gibt.
Seit 2004 läuft die Serie bereits; natürlich gab es einige Rollen- und Schauspielerwechsel in der Zeit. Aktuell dreht man fürs ZDF die 12. Staffel. Gedreht wird nicht nur in Wismar, sondern auch in Berlin. Dort nämlich sitzt die Produktionsfirma. In der Hauptstadt finden dann auch die Studioszenen der Serien statt – in Wismar (und manchmal auch der Umgebung) werden die Außenaufnahmen gemacht.

 

Für Dreharbeiten werden die Straßen gesperrt

 

Drehen auf dem Marktplatz

100×100 Meter groß ist der Marktplatz. Groß genug für Dreharbeiten. Sollte man meinen. Klar, die Größe war natürlich neben den vielen herrlichen historischen Wohnhäusern der Grund dafür, dass man hier Außendrehs der ersten Staffel drehte.
Aber natürlich lockten die Dreharbeiten 2004 Neugierige an und es kam auch zu Verkehrsproblemen mit Autos und Verspätungen der Linienbusse. “Warum nutzen Sie eigentlich nicht die ganze Altstadt?”, habe die damalige Bürgermeisterin das Fernsehteam gefragt – und das war begeistert. Seitdem gibt es fast keine Straße oder Gasse in Wismars Altstadt, die nicht bereits im Fernsehen gezeigt wurde. Auch der alte Hafen Wismars ist immer wider Drehort für SOKO Wismar.
Das Rathaus am Marktplatz war schon Ort der Handlung

 

Im Haus in der Mitte wohnte “Der Lottokönig”

 

Die Sparkasse war als “Nordbank” schon Spielort für
einen Banküberfall

 

Und tatsächlich. Fast jedes Haus rund um den Marktplatz hat für Kriminalhauptkommissar Jan Reuter und sein Team schon mal eine wichtige Rolle gespielt, war Tatort, Wohnort des Verbrechers oder des Opfers.

Der Banküberfall an der Wasserkunst

“So wie die Sparkasse dahinten”, sagt Ilse Zintner und zeigt auf das Bankgebäude. “Das Fernsehteam benannte die Sparkasse in “Nordbank” um, ließ dort einen Banküberfall stattfinden, während die Fernsehzuschauer durch das Schaufenster der Bank im Hintergrund den Marktplatz mit seinem sehenswerten “Wasserwerk” sehen konnten. Drei Tage lang dreht man an der Bank – “Das hat für ganz schön viel Aufsehen in der Stadt geführt”, schmunzelt die Stadtführerin.
Dann geht es schlag auf Schlag: “Da drüben an diesem Haus wurden die Szenen des Falls mit dem Biobauern gedreht, dort”, sie zeigt auf ein anderes Haus, “stürzte 2011 Lottokönig Maik Radolf aus dem Fenster und in dem Haus daneben war in einer Folge das Geschäft eines Juweliers”.
Dann sprudelt es aus der Stadtführerin nur so heraus: “Die Folge mit dem Juwelier heißt “`Der Lockvogel` . Im Hafenbecken wird am Anfang eine tote Frau gefunden. Die SOKO stellt fest: Sie arbeitete als sogenannter `Lockvogel`. Ihre Job war es, nichtsahnende Ehemänner in Versuchung zu bringen, um ihre Treue zu testen. Ihr letztes „Opfer“ war der Juwelier Henry Mengers…”
Selbst das Rathaus war bereits bei SOKO Wismar dabei. In zwei Folgen sogar. Und in einer spielte die damalige Bürgermeisterin mit. Sie spielte natürlich sich selbst, erzählt Ilse Zintner.

Wo wohnt die Filmcrew?

Mehrmals im Monat ist die Filmcrew in Wismar, dreht hier. Tage vorher werden von der Stadt bereits Schilder aufgestellt, damit in den entsprechenden Straßen niemand parkt. Diese Parkplatz- und Straßensperrungen liefen ganz unkompliziert zwischen der Stadt Wismar und dem Filmteam. Denn in Wismar freut man sich natürlich über die Fernsehpräsenz der Stadt. Eine bessere touristische Werbung kann es kaum geben. Da tut man dem Fernsehen fast jeden Gefallen und macht vieles möglich. Wenn das Filmteam nach Wismar reist, wohne man im Steigenberger Hotel Stadt Hamburg oder im Hotel Stadt Wismar. Jan Reuter nimmt sich übrigens immer eine Ferienwohnung am Hafen, erzählt die Stadtführerin, während wir den Marktplatz verlassen. Der Weg führt nun durch die Straßen und Gassen der Altstadt.

 

Durch die Krümmung der Straße lassen sich hier gut
Verfolgungen realisieren/ Fotos: Kronenberg

 

Hier starb der Pizzabote

“In dieser Straße dreht man gerne Verfolgungen”, erklärt die Stadtführerin in einer Straße, die eine leichte Kurve hat. “Da kann man nicht sehen, wo das Auto losfährt oder Verbrecher und Polizist losgelaufen sind”, erklärt sie.
Hier starb der Pizzabote in der Folge “Kalte Pizza”
An der Nikolaikirche kommen wir in die “Rosmarinstraße”. “Erkennen Sie die Stelle?”, fragt Ilse Zintner und gibt auch gleich die Antwort: “Das war 2012 in der Folge `Kalte Pizza`. Da wurde hier der Pizzabote erschlagen…”
An der “Frischen Grube”: Im Wasser werden manchmal
Tatwerkzeuge gefunden

 

Wir erreichen die “Frische Grube”, wo ein Bach die Altstadt durchquert. Die “Grube” war schon in vielen Folgen zu sehen. Meist findet die Polizei im Wasser Tatwerkzeuge, Indizien oder auch mal eine Leiche. “Erst kürzlich fand Katrin Börensen hier im Wasser einen Hammer – damit wurde das Opfer der Folge erschlagen.”

Wir umrunden die Nikolaikirche. Ilse Zintner kennt nicht nur Drehorte, auch die Geschichten der Kirchen und historischen Bauten sind ihr Thema.

 

Im Haus in der Mitte wohnte die Wahrsagerin in
“Schleche Karten für Belinda”

 

Dazwischen stoßen wir immer wieder auf neue SOKO-Drehorte. Hier habe man in der 8. Staffel in der Folge “Das Krokodil” einen erschlagenen Fischhändler gefunden, dort das Café sei in einer Folge ein Pfandhaus gewesen und in “Schlechte Karten für Belinda” war dieses Haus die Wohnung einer Wahrsagerin.

 

In den Hafenbecken werden öfter mal Filmleichen gefunden

 

Das Haus des Hafenmeisters war schon Filmhaus der
ermordeten Hafenärztin in “Stummer Zeuge”

 

Auch in den neuen Hafenanlagen wird gedreht

 

Wir haben den Hafen von Wismar erreicht. Naja, wie viele Leichen die SOKO schon aus dem Hafenbecken gezogen habe, das wisse sie auch nicht, sagt die Führerin und lacht. “Zu viele schon”, sagt sie. Aber auch andere Szenen spielen in den Häusern am Hafen. Dort drüben wurde “Stummer Zeuge” gedreht. In der Folge wird die Hafenärztin ermordet. Der “stumme Zeuge” war übrigens ihr Hund….

Der Zöngekrog heißen in der Folge “Kollmar kommt” die Störtebeker Stuben.
Hier wurde ein Starkoch ermordet

 

Aber auch im modernen Hafen wird gedreht, in Fabrikanlagen, an den Buden der Fischhändler, in Gärten, an Garagen und im Restaurant Zöngekrog – bei SOKO Wismar waren das in der Folge “Kollmar kommt” die “Störtebeker Stuben – hier wurde ein Starkoch ermordet.

Der Kopf schwirrt mir schon vor all dem Wissen – ich nehme mir vor, einige der mir unbekannten Folgen demnächst auch einmal anzusehen – da erreichen wir die Heilig-Geist-Kirche.
Die Einfahrt zum Hof der  Heilig-Geist-Kirche ist bei SOKO das Polizeirevier

Am Polizeirevier der SOKO

Hier ist das Polizeirevier von SOKO Wismar. Allerdings nur der Eingang. Denn im Fernsehen sieht man immer wieder den Tordurchgang zum Hof (da gehen Leute, Autos fahren rein und raus) – doch wer hoffnungsvoll dahinter im Hof das Polizeigebäude erwartet, wird enttäuscht. Denn das TV-Gebäude steht auf dem Studiogelände in Berlin. In Wismar ist in dem Gebäude hinter dem Tor eine soziale Einrichtung untergebracht. Und das Haus sieht zudem ganz anders aus.
Ilse Zintner zeigt das “Polizeirevier” ….

 

das auf der anderen Seite des Tores anders aussieht wie im TV

 

An 160 Tagen wird SOKO Wismar gedreht

Über 160 Drehtage für SOKO Wismar gibt es. Die Hälfte der Zeit dreht die Crew in Berlin. Die anderen ist man in Wismar unterwegs. So viele Mörderhäuser, so viele Orte, wo entscheidendes geschah – ich sehe die Stadt jetzt mit ganz anderen Augen. Ilse Zintner verabschiedet sich. Morgen werden wieder Touristen ihren Worten lauschen, ihr durch Straßen und Gassen folgen. Leena Virtanen geht die Straße Richtung tourist service hoch. Ich schaue mich um, nachdem ich das Tor des Kirchhofs durchschritten habe. Unten an der Straße parkt ein dunkler Pkw. Vermutlich sitzen Jan Reuter, Katrin Börensen, Lars Pöhlmann und Kai Timmermann drin. Sie wachen schließlich über Recht und Ordnung in Wismar. Seit über zehn Jahren.

 

Teilen

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Scroll Up