An der Gedenkstätte Berliner Mauer

Der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße erinnert an die Mauer durch Berlin

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Mit Sicherheit ist es schwierig, eine Gedenkstätte zu konzipieren. Zumal wenn es darum geht, der Mauer durch Berlin zu gedenken. In der Hauptstadt hat man es versucht. An der Bernauer Straße ist die Gedenkstätte Berliner Mauer entstanden. Es ist allerdings schwer sie gelungen zu finden.

Wir erreichen den Berliner Nordbahnhof. Früher lag er im Osten der Stadt, war ein sogenannter Geisterbahnhof. Denn hier durften die Züge der S-Bahn nur langsam durchrollen. Gehalten hat hier kein Zug. Aus- und eingestiegen ist auch niemand. Wachsoldaten waren hier stationiert, der Eingang oben geschlossen. Wenn die Bahn hier durchfuhr, die Bahnsteige waren nur schwach beleuchtet, war den Fahrgästen mulmig. Es wirkte nicht real.

Die Mauer entlang der Bernauer Straße

Heute halten hier wieder Züge, der Nordbahnhof ist reaktiviert. An den “Geisterbahnhof”, von denen es mehrere in Berlin gab, erinnert eine Fotoausstellung im Bahnhof. Düstere schwarz-weiß-Fotos erinnern an diese unglückliche Zeit. In den Wänden sind noch Überbleibsel aus der DDR-Zeit sichtbar gemacht.

Der Nordbahnhof ist die beste Möglichkeit, den Besuch der Gedenkstätte zu beginnen. Man tritt durch den Ausgang raus – und sieht das Feld vor sich.

Zentraler Erinnerungsort “Gedenkstätte Berliner Mauer”

Die Gedenkstätte Berliner Mauer ist der zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung. Sie liegt entlang der heute vielbefahrenen Bernauer Straße, ist 1,4 Kilometer lang und steht dort wo früher der Grenzstreifen war. Auf diesem Areal, hübsch durch Grasanpflanzung zu erkennen, befindet sich ein Stück der Berliner Mauer aus den 80er Jahren.

Während der Blick noch auf den Mauerrest fällt, überqueren die meisten  Besucher – und das sind in der Mehrzahl Schülergruppen und Gruppen von Touristen – die Bernauer Straße. Dort liegt das Besucherzentrum. 2009 wurde es als Anlaufpunkt für Besuchergruppen eröffnet. Hier gibt es auf der oberen Etage einen Film über die Berliner Mauer zu sehen. Sehenswert für alle, die diese Jahrzehnte nicht miterlebten.

Fenster des Gedenkens

Entlang der Mauer über die Wege auf der Wiese, hier gibt es einige Erklärungstafeln mit Fotos wie auch das „Fenster des Gedenkens“ auf dem ehemaligen Sophien-Friedhof (hier zeigen Portraitfotos die über 100 Toten durch die Mauer), erreicht man den nächsten Übergang an der Bernauer Straße. Hier liegt das sehenswerte Dokumentationszentrum. Die Fotoausstellung “1961 | 1989. Die Berliner Mauer” ist sehenswert. Großformatige, meist schwarz-weiße Aufnahmen, und einige Ausstellungsstücke vermitteln auf über 400 Quadratmetern gut die Geschichte zwischen 61 und 90.

Der 70 Meter lange rekonstruierte Grenzstreifen

Im Oktober 1990 wurde der Grenzabschnitt an der Bernauer Straße unter Denkmalschutz gestellt, 1998 das Denkmal eingeweiht. Neben der Mauerrest auf der Wiese ist dies ein von  hohen Stahlwänden eingeschlossenes 70 Meter langes Stück der Grenzanlagen mit Zäunen, Wachturm und Sicherheitsstreifen. Man kann es als Besucher nicht betreten. Zum Ansehen dient der Stahlturm am Dokumentationszentrum. Von dessen Aussichtsplattform lässt sich der Streifen wie auch die gesamte Gedenkanlage bis hin zur Versöhnungskirche am äußeren Ende überblicken.

Die Mauer muss weg…

Eigentlich wollten die Berliner gar keine Erinnerungsstätte an die Mauer. Im Osten zeigte man kein Interesse daran. Das “Die Mauer muss weg” nahm man wörtlich. Innerhalb kürzester Zeit war die Mauer tatsächlich abgerissen. Somit hatte man in Berlin schon das Problem, wie man solch eine Gedenkstätte errichtet, wenn nichts Originales mehr da ist. Auch der Standort war umstritten.

Die Gegend Bernauer Straße ist fürs Bauen ein Filetstück in Berlin. Klar, dass alle Baufirmen gegen den Bau einer Gedenkstätte hier waren. Man wollte lieber Häuser mit teuren Wohnungen bauen. Die Gedenkstätte soll den Zustand der Mauer 1989 wiedergeben. Damals war die Originalgrenze eigentlich komplett abgebaut. Hier wurde also rekonstruiert. Originalsubstanz wurde dabei benutzt. Auch der Wachturm ist eine Rekonstruktion (von 2009).

Mein Fazit: Zum einen ist es gut und richtig, dass eine solche Erinnerungsstätte existiert. Für Besucher, die diese Grenze nie erlebt haben, ist sie sehenswert. Sinnvoll ist sie sowieso. Und hier kommt mein ABER! Aber sie gibt nicht die Atmosphäre wieder, die damals an der Bernauer Straße (und nicht nur hier) herrschte. Zwar ist weder ein Disneyland noch eine Hollywood-Inszenierung wünschenswert, aber diese beklemmende Stille, die Angst, die hier vorherrschte, kommt nun mal nicht rüber. Das kommt durch den regen, lauten und hektischen Autoverkehr und die Straßenbahn an der Bernauer Straße. Hektik, Lautstärke und Pommesbude passen schlecht zu einer Gedenkstätte. Gedenken ist für mich dann doch etwas anderes. Aber dennoch: Wer die Mauer nie erlebt hat, für den ist ein Besuch an der Bernauer Straße, wenn auch hier fast alles Rekonstruktion ist, wichtig und richtig.

 

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