Friedhof der 900 Kinder am JHQ in Rheindahlen

900 Kindergräber gibt es auf dem britischen Militärfriedhof neben dem ehemaligen Hauptquartier der Rheinarmee JHQ in Mönchengladbach

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Das Navi im Auto leitet mich. Über diese Straßen, ganz in der Nähe von Mönchengladbach, bin ich noch nie gefahren. Neben der schmalen Straße ein Zaun, dahinter leerstehende Wohnhäuser. Büsche und Sträucher ragen über Eingangstreppen, die Fenster blicken leer. Dieser Ort ist nicht mehr bewohnt. Die Häuser und Straßen gehören zum JHQ, dem ehemaligen Hauptquartier der britischen Rheinarmee.

Ich halte neben der Straße. Hier liegt ein Friedhof. 1800 Gräber wurden gezählt. 900 davon sind Kindergräber.

Friedhof am JHQ Rheindahlen

Die Siedlung gegenüber war von 1954 bis 2013 das Hauptquartier verschiedener Verbände der britischen Streitkräfte und der NATO. Hier lebten zuletzt die Soldaten und deren Familienangehörige, die zum Stab des Allied Rapid Reaction Corps (ARRC), einer Schnellen Eingreiftruppe der NATO, gehörten, Mitglieder der Rheinarmee und der British Forces Germany.  Das JHQ Rheindahlen, das Joint Headquarter, bildete einen eigenen Stadtteil. Seit 1954 lebten hier ständig rund 12.000 Soldaten und deren Angehörige. 45 000 sollen es bis 2013 insgesamt gewesen sein.

Die Fläche des Hauptquartier umfasste rund 380 Hektar. 2000 Gebäuden gibt es hier, 36 Kilometer Straßen. Supermärkte, Kirchen, Theater und Kino gab es im Hauptquartier. Und natürlich einen Friedhof.

Die britischen Streitkräfte haben insgesamt zwei Friedhöfe in Deutschland, Hannover und diesen hier in Rheindahlen, wo die Mitglieder der Rheinarmee und der British Forces Germany, die im Frieden starben, beerdigt wurden, wenn die Familien es so wünschten.

2013 wurde das JHQ geschlossen, die Soldaten versetzt. Beigesetzt wird auf dem Friedhof jetzt niemand mehr. Die bestehenden Gräber aber bleiben. Sie werden von der Commonwealth War Graves Commission gepflegt.

Warum gibt es hier so viele Kindergräber?

Über 1000 Soldaten, die im Frieden starben, und Familienangehörige von Soldaten sind hier beerdigt. Einige der Soldaten starben bei Verkehrsunfällen, andere zum Beispiel bei Flugzeugabstürzen.

900 der Gräber sind Kindergräber.  Die ersten Babys wurden hier 1956 bestattet. 2011 die letzten. Meist starben die Kinder während der ersten Tage oder Wochen nach der Geburt. Auf einigen Grabsteinen steht „Stillborn“, Totgeburt. Die Mütter waren im nahen Royal Air Force Hospital Wegberg zur Entbindung. Auf den ersten Blick sind 900 Kinder, die gleich nach der Geburt starben, zu viel. Aber: Im Militärhospital gab es jährlich rund 1000 Geburten. Das Einzugsgebiet des Krankenhauses war ganz Deutschland, die Niederlande und Belgien. Das relativiert.

Die Anlage ist gut gepflegt. Auf einigen der Kindergräber liegt Spielzeug, Teddybären und kleine Engel aus Stein. Schweigend gehe ich durch die Reihen, lesen die Namen. Der Militärfriedhof liegt einsam und verlassen in der Morgensonne. Vögel singen. Die Angehörigen der Toten sind jetzt vermutlich weit weg. Irgendwo anders stationiert. Die Toten sind hier geblieben.

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