Am Grab von Sankt Martin in Tours

Zwei Orte an der Loire haben mich fasziniert: Candes und Tours. In Candes starb Sankt Martin, in Tours befindet sich sein Grab.

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Zwei Orte an der Loire haben mich fasziniert. Beide haben mit Sankt Martin zu tun. In dem einen, Candes, starb er, in dem anderen, Tours, befindet sich sein Grab.

Kinder tragen Laternen, singen Lieder, Sankt Martin auf einem Pferd reitet dem Umzug voran. Ein Bild das wir bei den Sankt-Martins-Umzügen überall sehen. Geehrt wird so der Mann, der im 4. Jahrhundert als römischer Soldat zum Christentum übertrat, erst Mönch war, dann Bischof von Tour wurde und die Region an der französischen Loire missionierte. Der Ort an der Loire, an dem Sankt Martin starb und sein Grab in Tours sind heute viel besuchte Stätten. Eine Reise dorthin ist ein Weg in die Geschichte. Dorthin, von wo das Christentum seinen Weg in Europa nahm.

Die Kirche in Candes
Portal der Kirche in Candes

Da, wo die mächtige Loire und die kleinere Vienne zusammenfließen, liegt im Anjou der kleine Ort Candes-St-Martin. Dank der Blumenpracht entlang der Hauptstraße wird der Ort mit den schiefergedeckten weißen Häusern gern als einer der schönsten in Frankreichs bezeichnet. Seinen Namen verdankt Candes-Saint-Martin dem Heiligen Martin von Tours. Denn 397 verstarb der Bischof hier. Er befand sich auf einer Visitationsreise. Im Kloster in Candes wollte er übernachten.
Kirchenfenster in Candes

Der Sterbeort von Sankt Martin

An der Stelle, wo sein Sterbehaus stand, baute man im 12. Jahrhundert eine große, festungsähnliche Wallfahrtskirche. Steile Stufen führen zum Eingang hinauf. An der Nordseite des Chores betreten wir eine einschiffige Kapelle. Hier soll die Sterbestelle Sankt Martins sein. Ein Stein im Boden bezeichnet die Stelle. In den Nischen eingelassen zeigen zwei lebensgroße Figuren den Bischof, die Kirchenfenster zeigen Geschichten aus den Martinslegenden.

Kirchenfenster: Es stellt den heimlichen
Abtransport des Leichnams dar
Mit Bischof Martin zusammen waren auch Mönchen aus Portiers, wo er ein Kloster errichtet hatte, und aus seiner Bischofsstadt Tours. In der Nacht, als Sankt Martin starb, stritten sich die Mönche um den Leichnam. Jede Gruppe wollte ihn mit in das eigene Kloster nehmen. Die Mönche aus Tours warteten bis tief in der Nacht die Mönche aus Portiers schliefen. Dann nahmen sie heimlich den Leichnam, trugen ihn auf ein Loireboot und fuhren so nach Tours. Dort fand der Bischof dann seine Ruhestätte.

Nationalheiligtum der Franken

Klar, dass sein Grab in der Folgezeit viele Pilger anzog. Es wurde zum Nationalheiligtum der Franken (Chlodwig ließ sich hier taufen). Eine ganze Stadt entstand um das Grab, ein Kloster von riesigen Ausmaßen. Die Kirche galt als größte des Abendlandes.

Die Stelle auf dem Boden, an der Sankt Martin starb
Die Anlage verfiel nach der französischen Revolution. 110 Meter war die fünfschiffige Kirche lang. Heute stehen unter anderem nur noch der Tour d´Horloge, der südliche Turm und die Eingangsfront. Wer heute Saint-Martin betritt, steht in der wesentlich kleineren Basilika, die um 1890 von Victor Laloux im romanisch-byzantinischen Stil auf den Ruinen der alten Kirche erbaut wurde.

Die Kirche in Tours

Treppenstufen führen in die Krypta. Hier steht das Grabmal Sankt Martins. Ein Sarkophag mit Marmorsäulen. Weiß und rot.

 

 

 

Unzählige Tafeln an den Wänden sind Spuren der tiefen Gläubigkeit. Sie sprechen von Dank für erhörte Gebete. Auch Könige und Päpste pilgerten hierhin, knieten im Gebet nieder. Denn Sankt Martin hat durch seinen Glauben, seine Mission und die Legenden, die sich um ihn ranken, unauslöschlich seine Spuren in der Geschichte des Abendlandes hinterlassen.

 

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