Zülpich: Eine alte Stadt mit viel Geschichte

Von Römern, Franken, Chlodwig und einem Ziegenbock

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Zülpich nahe Köln am Nordrand der Eifel ist eine kleine Stadt mit großer Geschichte. Ein Ausflug in ihre Stadtmauern lohnt.

Hier bauten schon die Römer Häuser, hier fand die Schlacht des Frankenkönigs Chlodwig gegen die Alamannen statt, die unsere Kultur veränderte. Zülpich ist von einer beeindruckenden Stadtmauer mit vier Toren aus dem Mittelalter umgeben und hier ist der Ort, von dem Franzosen erzählen, hier habe die Geschichte Frankreichs begonnen.

Wir sind in Zülpich, 50 Kilometer südwestlich von Köln.

Eine Kleinstadt an der Kreuzung römischer Fernstraßen

Entstanden ist die Stadt Zülpich im 1. Jahrhundert vor Christus, weil sich hier zwei wichtige Fernstraßen der Römer kreuzten. Von hier aus gelangte man nach Köln, Trier, Reims, Neuss, Xanten und nach Bonn, alles wichtige römische Städte und Lager.

An so einer wichtigen Kreuzung, über die viele Reisende kamen, entstand natürlich eine kleine römische Siedlung. Ein sogenannter Vicus, eine Kleinstadt. Ihr Name war Tolbiacum. An den Straßen gab es Herbergen, Stellmachereien, Pferdewechselstationen und Schankwirtschaften.

Im Thermenmuseum

Im 2. Jahrhundert baute man dann eine Thermenanlage. 1929 hat man sie ausgegraben. Heute ist sie Teil eines Museums, den „Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur“. Ein modernes, neues Gebäude, in dem es auch um die Geschichte der Badekultur- von den Römern übers Mittelalter bis heute – geht.

Im Erdgeschoss gibt es die Grundmauern der verschiedenen Räume der Thermenanlage zu sehen. Hier ging man zur Körperreinigung jeglicher Form und zur Entspannung hin. Hier gab es den Auskleideraum, das das Kaltwasserbad (Frigidarium), danach ging man ins Warmwasserbad (tepidarium). Dann folgte ein Bad im Heißwasserbad (caldarium) und im Schwitzbad (laconicum).

Das anderswohin.de-Video über Zülpich

Wenn man wissen will, wie die Antike gerochen hat, der geht zu dieser Duftwand. Da kann man auch riechen, wie römisches Parfüm gerochen hat. Sehr süß übrigens.

Ein Bad gab es auch in manchmal in Wohnanlagen außerhalb. Aus einer Villa Rustica in der Nähe stammt eine Wanne. Nach den Römern, als diese Badekultur verloren ging, hat man auf die Wanne einen Deckel gelegt und sie dann als Sarkophag genutzt.

Clodwig, der Frankenkönig

Als das Reich der Römer unterging, hatten die germanischen Völker das Sagen. Ein ganz besonderer Franke war Chlodwig. Ein fränkischer König aus der Dynastie der Merowinger.

Chlodwig hat alle anderen fränkischen Herrschern unterworfen. Er gilt als Begründer des Frankenreichs.

Ein Denkmal auf dem Marktplatz von Zülpich nennt man überall Chlodwig-Denkmal. Es soll den fränkischen König zeigen. Stimmt aber nicht. Man wollte ihm hier mal ein Denkmal bauen, tat es aber nicht. Stattdessen baute man 1913 dieses Kriegerehrenmal für die Gefallenen des deutsch-Französischen Krieges von 1870. Obendrauf, das ist ein germanischer Krieger mit Schwert.

Hier in Zülpich soll Chlodwig das Heer der Alamannen bei der Schlacht von Zülpich geschlagen, weil er gelobt hatte, sich bei einem Sieg christlich taufen zu lassen.

Die Schlacht von Zülpich

Am Stadtrand von Zülpich liegt die sogenannte Wollersheimer Heide. Hier soll der Ort dieser bekannten Schlacht sein.

Auf einem Feld erinnert eine hohe Stele an die Schlacht.

Hier soll im Jahr 496 die Schlacht zwischen den Rheinfranken unter Sigibert von Köln, dem Chlodwig I. zur Hilfe gekommen war, und angreifenden Alamannen stattgefunden haben.

Aber: Alles an dieser Schlacht ist unsicher. Man weiß heute von der Schlacht nur durch Gregor von Tours . Der war Bischof in Tours und ein sehr bekannter Geschichtsschreiber. Für viele Ereignisse aus der Zeit zwischen Antike und Frühmittelalter sind seine 10 Geschichtsbücher die wichtigste Quelle.

Und dieser Gregor von Tour, der 100 Jahre nach Chlodwig lebte, erwähnt, dass Chlodwig 3x gegen die Alamannen gekämpft hat. Die zweite Schlacht, schreibt er, habe nahe der Stadt Tulbiac stattgefunden. Man geht davon aus, dass mit Tulbiac das römische Tolbiacum, also Zülpich, gemeint ist.

Die Historiker sind sich uneins über die Frage, ob die Schlacht hier stattgefunden hat. Die einen sagen ja, die anderen sagen, das sei zum Beispiel nahe Straßburg gewesen.

Wie dem auch sei. Bei der Schlacht von Zülpich hatten zunächst die Alamannen die Oberhand. Chlodwigs Heer drohte zu verlieren. Im Angesicht der Niederlage gegen die Alamannen gelobte nun Chlodwig, er lasse sich christlich taufen, wenn er gewinne. Nun, er hat gewonnen. Und er ließ sich später in Reims taufen und konvertierte somit zum römisch(-katholisch)en Christentum.

Für das Fränkische Reich, aus dem später Frankreich und Deutschland wurden, bedeutete die Taufe, das es damit christianisiert wurde. Denn Taufen fanden meist im Stammesverband statt.

Entstand Frankreich in Zülpich?

Doch wenn gar nicht sicher ist, dass die Schlacht in Zülpich stattfand, warum ist sie so bekannt? Daran sind die Franzosen schuld. Die brauchten nämlich einen Zeitpunkt, an dem man sagen konnte: Hier beginnt die Geschichte der Grand Nation.

Es war der französische Bürgerkönig Louis-Philippe, der im Schloss Versailles 1837 ein Nationalmuseum errichtete. Er wollte hier die ruhmreiche Vergangenheit des Landes erzählen. Das Museum sollte zeigen, dass Frankreich Frieden, Wohlstand und nationale Größe allein dem Königtum verdanke.

Der größte Saal im Museum war die Schlachtengalerie. Hier zeigten 33 Monumentalgemälde die Könige, die in ruhmreichen Schlachten Frankreich zur Grande Nation machte. Gemalt von bekannten Künstlern der Zeit.

Chronologisch angeordnet, beginnen die Gemälde mit der Schlacht von Tolbiac im Jahr 496 n. Chr. Die Schlacht von Zülpich. Die erste Ruhmestat der Nation, die Geburt Frankreichs durch eine Schlacht. Gewonnen vom Begründer des späteren Frankreich.

Und damit stürzte man sich auf Zülpich. Nach Tolbiac – so heißt Zülpich in Frankreich – sind in Paris auch eine Straße und eine Metrostation benannt. Die Schlacht von Zülpich als Geburtsstunde der Nation.

In der 1000 Jahre alten Krypta

Wir sind zurück innerhalb der Stadtmauer von Zülpich. Direkt neben den Thermen auf dem Mühlenberg steht die Pfarrkirche St. Peter. Ein moderner Bau. In den 1950er Jahren gebaut. Auch innen sieht es in der Kirche recht modern aus.

Die alte Kirche wurde 1944 durch Bomben zerstört. Und zwar fast restlos. Im Schutt gefundene Bauteile zeigt man in dieser Regalwand, die bis zur Kirchendecke reicht. Steine und Kapitelle sind zu sehen. Und auch einige Darstelllungen von Heiligen.

Links im Mittelschiff führen Treppenstufen nach unten. In die Krypta. Hier auf dem Mühlenberg hat um das Jahr 850 die erste Kirche gestanden. Diese Kirche hatte einen Nachfolgebau. Und das war in salischer Zeit. Im 11. Jahrhundert gehörte die Kirche dem Orden der Benediktiner, war also Teil einer Abtei. Und genau aus diesen Jahren stammt die Krypta. Sie wurde 1060 gebaut. Sie ist der einzige Teil der Kirche, der die Bomben im Jahr 1944 überstand.

Die romanische Krypta ist sehr groß. Das sind hier zwei in etwa gleich große Räume, die durch massive, eckige Pfeiler voneinander getrennt werden. Es gibt zwei Altäre hier. Die stammen aber aus späterer Zeit.

Der Ziegenbock vor der Kirche

Vor der Kirche steht sowas wie eine Kuriosität. Auf einer hohen Stele steht ein Ziegenbock. Er steht erst seit einigen Jahren dort. Der Besitzer, der hatte den Bock geschenkt bekommen, hatte das Kunstwerk im Garten stehen. Er vermachte es der Stadt Zülpich und die stellt es vor die Kirche. .

Neben der Kirche steht die Kurkölnische Landesburg Zülpich. Heute haben da mehrere Firmen ihre Räume drin. Die Römer hatten hier ihr „castrum“, die Merowinger eine Königspfalz. Im Hochmittelalter stand hier eine Burg, später wurde sie Festung. Nachdem Franzosen sie zerstört hatten, war in der Ruine eine Schnapsbrennerei. Und die war hier bis vor ca. 40 Jahren in Betrieb.

Nahe der Burg steht diese Kapelle. 1454 gebaut. Sie heißt Gasthauskapelle und gehörte im Mittelalter zu einem Hospital.

Auf dem Marktplatz

Nur wenige Meter entfernt liegt der Marktplatz. Hübsche Häuser stehen hier. Natürlich steht hier auch das Rathaus. Ein moderner Bau. Rechts daneben steht das alte Rathausgebäude. Das stammt aus den 1950er Jahren. Denn 1944 wurde das alte – das Rathaus aus dem Mittelalter – zerstört.

Was davon heute noch steht, ist der alte Rathausturm. Der wurde 1725 gebaut. Unten drin ist heute ein Restaurant.

Eine komplett erhaltene Stadtmauer

Die Stadt Zülpich hat eine noch fast komplette Stadtmauer. Im Rheinland gibt es das nicht allzu oft. Diese Stadtmauer, eine Ringmauer, umgibt den Stadtkern. Sie wurde im Mittelalter gebaut. Die Stadtmauer wurde zusammen mit vier Stadttoren errichtet.

Um den Mühlenberg wurde schon im 4. Jahrhundert ein Befestigungsring mit Türmen und einem Stadttor errichtet. Die Lage von Zülpich entlang der alten Handelsstraßen war, auch nach dem Untergang des römischen Reiches, strategisch günstig. Diese Mauer wurde dann 400 Jahre später von den Normannen zerstört.

Im 13. Jahrhundert wurde auf den alten römischen Bauten eine Befestigung in Bruchstein gebaut. Da hat es öfter mal Angriffe gegeben. Die Anlage, die man jetzt sieht, wurde 100 Jahre später gebaut und ist aus Backstein.

Neuer Glanz fürs Weiertor

Vom Marktplatz sind es nur wenige Meter bis zum Weiertor. So wie wir es heute sehen, ist erst einige Jahre alt. Das wurde nämlich rekonstruiert oder besser wiederaufgebaut. Aber erst 2023.

Der Torturm des Weiertores war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Nur die Zwingermauern und das Vortor waren original erhalten.

In den vier Stadttoren der Stadt Zülpich sind Karnevalsvereine unterbracht. Sie haben hier ihre Vereinsräume. Im Weiertor residieren die Hovener Jungkarnevalisten, die hier ihr Gardequartier haben. Die Karnevalisten haben sich um den Wiederaufbau sehr verdient gemacht, heißt es in Zülpich.

Das Weiertor ist eine sogenannte Doppeltoranlage. 18 Meter ist es hoch. Sie besteht aus Haupttor, einem Zwinger – das ist der Raum zwischen Haupttor und Vortor – und dem Vortor mit zwei Rundtürmen.

In den Zwingermauern sind Schießscharte. Ja, damals hat man seine Städte richtig gesichert.

An das Weiertor wurde im 20. Jahrhundert eine Polizeiwache angebaut. Weil, das Tor bekam damals eine neue Funktion . Um 1900 war hier das Zülpicher Gefängnis.

Bachtor, Münstertor und Kölntor

Wie gehen zum Bachtor. Das war ebenfalls eine Doppeltoranlage. Das Außentor wurde allerdings Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen, sodass nur noch das Innentor steht. Der Straßenverkehr führt um das Tor herum.

Richtung Süden ging man durch das Münstertor. Die Straße führt Richtung Bad Münstereifel. Ein Tor, durch das der Autoverkehr heute stadteinwärts rollt. Früher hatte das Stadttor auch ein Vortor und zwei runde Flankentürme. Das Vortor und ein Teil der Stadtmauer wurden wegen des Autoverkehrs abgerissen.

Das vierte der Stadttore führt nach Osten, nämlich nach Köln. Deshalb heißt es Kölntor. Es ist erhalten mit Vortor, Zwinger und Haupttor. Der Verkehr umfährt das Tor. Für die Straße wurde auch hier ein Stück der Stadtmauer abgebrochen.

Die Marienkapelle in der Stadtmauer

In einem ehemaligen Wehrturm der Stadtmauer hat man 1810 eine kleine Kapelle eingerichtet. „Kapelle zum Bildchen“ heißt sie, die Straße hinter der Stadtmauer heißt „Am Bildchen“. Das ist eine Marienkapelle. Sehr klein.

Ein Holzaltar mit vier Säulen. In der Mitte ein Gnadenbild. Eine Pieta. Maria als Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß. Eine emotionale Darstellung von Trauer.

Abends verlassen wir die Mauern der Stadt Zülpich. Wir verlassen das Tolbiacum der Römer und das Tolbiac der Franzosen. Viel Geschichte gibt es hier. Die römischen Thermen, Chlodwig und seine sagenumwobene Schlacht, eine wunderschöne, uralte Krypta, eine Stadtmauer mit vier wuchtigen Stadttoren und viele kleine interessante und oft schöne kleine Funde am Straßenrand. Einfach schön und interessant hier.

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