Quedlinburg: Von Hölle, Finkenherd und Kaisern | Harz | mit Video

Quedlinburg im Harz: Die Altstadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe

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Wer mich fragt, welche Städte im Harz man auf jeden Fall besuchen sollte, dem nenne ich Goslar, Wernigerode und Quedlinburg. Wobei  ich Quedlinburg immer Platz 1 einräume. Denn die Fachwerkstadt an der Bode am nördlichen Rand des Harzes ist ein Ort zum Verlieben. Hier scheint alles zu passen: Bauten, Geschichte, Menschen. Und das findet man nicht allzu oft.

Nicht umsonst ist Quedlinburg UNESCO Weltkulturerbe. Das liegt vor allem an den über 2000 Fachwerkhäusern der Altstadt, die eines der größten Flächendenkmäler in Deutschland sind. Die historische Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Straßen, den verwinkelten Gassen und kleinen, romantischen Plätzen und Häusern aus acht Jahrhunderten bildet ein fast einmaliges Ensemble.

Romantische Gasse am Schuhhof

 

Marktplatz mit Rathaus

In der Altstadt

Den Pkw abgestellt haben wir auf dem Parkplatz Carl-Ritter-Straße. Der liegt zentral zwischen den Teilen der Altstadt: dem ehemaligen Königsbesitz mit dem
Burgberg und einmal der 994 gegründete Altstadt sowie der im 12. Jahrhundert gegründete Neustadt. Nur wenige Straßen über holpriges Kopfsteinpflaster und wir stehen auf dem lebhaften großen Marktplatz, Treffpunkt aller Quedlinburg-Besucher.

Café reiht sich hier an Café und Restaurant. Prächtige Häuser stehen hier rund um den Markt: Es sind die Häuser der Kaufmanns- und Handwerkergilden. Da steht das Lohgerber-Gildehaus, heute ein Hotel, ein Hotel. Dort das spätbarocke Haus Grünhagen, da das Hotel “Zum Bär”, das Goethe, Heine und Fontane beherbergte.

Am Finkenherd

 

Platz vor dem Schlossaufstieg

An der Nordseite des Marktplatzes erhebt sich efeubewachsen das Rathaus, einer von Quedlinburgs Schätzen. Um 1310 gebaut zeigt es heute als Glanzstück das im 17. Jahrhundert gebaute Renaissanceportal. Links am Rathaus steht eine lebensgroße Figur: der Roland. Er war im Mittelalter ein Zeichen für Marktgerechtigkeit und städtische Selbstständigkeit. Damals soll die Rolandsäule mitten auf dem Markt gestanden haben. Irgendwann war sie verschütt gegangen und wurde 1860 wiedergefunden. Seitdem steht sie restauriert neben der Rathaustreppe.

Stiftskirche St Servatius

Den Bereich direkt hinter dem Rathaus lassen wir uns nicht entgehen.  Hier steht, umgeben von alten Fachwerkhäusern, die Marktkirche St. Benedikti. In den hübschen Häusern am Marktkirchhof wohnten früher der Stadtpfeifer, daneben die Hebamme von Quedlinburg. Abgebogen in die Breite Straße stehen wir vor dem Gildehaus der Gerber und Schuhmacher. Ein dunkler Gang führt durch das Haus. Im folgen wir und gelangen auf den schmalen Schuhhof, vielleicht der schönste Platz in Quedlinburg. Hier wohnten die Schuhmacher, die hier auch ihre Lederwaren verkauften.

“Letzte Quelle vor der Hölle” für eine Gaststätte und “Vorhof zur Hölle” für ein Hotel sind schon etwas seltsame Namen. Aber auch das hat seinen Grund. Denn am Ende des Schuhhofes gehen wir wieder durch ein Haus und stehen in einer Schmalen Gasse. Schlicht “Hölle” heißt sie.

Weiter geht es Richtung Schlossberg. Am Markt vorbei steigt jetzt der Weg leicht an.

Zeit für einen Blick in die Geschichte von Quedlinburg. Einer Stadt, die in der Geschichte Deutschlands eine große Rolle spielte.

Über den Dächern von Quedlinburg

Los ging es im 10. Jahrhundert. 922 wird König Heinrich I. (der Vater von Kaiser Otto I, dem ersten der Ottonenkaiser; er war derjenige Sachse, der erster König über alle Bereiche des deutschen Reiches wurde; eigentlich ist er somit der Gründer des Deutschen Reiches) erwähnt. Er baute in Quedlinburg eine Königspfalz. Die war dort, wo heute die Wipertikirche ist, also am Fuß des Schlossberges. Den wiederum bestimmt Heinrich I zu seiner Grablege. 936 wurde er dort in der neu gebauten Pfalzkapelle beigesetzt.

Quedlinburg, die Stadt der Könige und Kaiser im Harz

Um den toten König entstand ein wahrer Kult. Seine Witwe Mathilde ließ ein Kloster, das daneben lag, zum Schloss umbauen, um dort sowas wie eine “ewige Totenwache” zu installieren. Später wurde sie dann an seiner Seite bestattet. Es ist somit das Grab des ersten deutschen Königspaares.

Könige und Kaiser kamen in den Folgejahrzehnten immer wieder gern nach Quedlinburg. 69 Aufenthalte im 10. bis 12. Jahrhundert sind nachgewiesen.

Auf dem Weg Richtung Schlossberg kommen wir an den Fachwerkhäusern des Finkenherd vorbei. Ein Schild sagt, dass dies hier die Stelle sei, an der Heinrich während des Vogelfangs die Nachricht bekam, dass er zum deutschen König gewählt wurde. Hier stehen auch das  Klopstockhaus im dem der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock geboren wurde und das Fachwerkmuseum “Ständerbau” . Die Häuser zählen zu den ältesten Fachwerkhäusern in Quedlinburg.

Der Aufstieg zur Schlossberg ist kurz und führt durch ein Tor. Oben lohnt besonders der Blick von der Terrasse bei den Gärten. Hier schweift der Blick über die Dächer von Quedlinburg. Weiter entfernt seht man den Münzenberg mit dem mittelalterlichen Marienkloster und die um das ehemalige Kloster liegenden alten Häuser. Das Viertel wurde ausgezeichnet restauriert.

Optisch gehört die Stiftkirche St. Servatius mit dem Grab des Königpaares (die Leiche Heinrichs ist übrigens seit dem Mittelalter bereits verschwunden) zu den bedeutendsten Bauten der Romanik..

Der Tag endet für uns im Schlosscafé. Die Bäume im kleinen Biergarten werfen angenehmen Schatten. Unter uns dringen die Stimmen der Touristen aus dem Gewirr der Altstadtstraßen hoch. Diese Stadt, beschließe ich, werde ich bestimmt noch mal besuchen. Viele Gassen und Straßen, die ich noch nicht gesehen habe, warten schließlich auf uns.


DIE INFO

Quedlinburg-Tourismus-Marketing GmbH
Markt 4 | 06484 Quedlinburg
Sachsen-Anhalt, Deutschland

Telefon: +49 (3946) 905 620
Telefax: +49 (3946) 905 627
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Quedlinburg: Von Hölle, Schustern, Finkenherd und deutschen Kaisern | Harz
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Quedlinburg: Von Hölle, Schustern, Finkenherd und deutschen Kaisern | Harz
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Die historische Altstadt von Quedlinburg im Harz mit ihren kopfsteingepflasterten Straßen, den verwinkelten Gassen und romantischen Plätzen und Häusern aus acht Jahrhunderten bildet ein fast einmaliges Ensemble.
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