Am Grab von KARL MAY in Radebeul

Karl May wurde in Radebeul beerdigt. Sein Grabmal hat die Form eines kleinen Tempels.

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Auf dem Friedhof Radebeul-Ost, unweit seines Wohnhauses Villa Shatterhand (dem heutigen Karl May Museum), suche ich das Grab von Karl May. Nicht weit entfernt vom Haupteingang werde ich fündig. Ein kleiner Tempel, das ist das Grab von Karl May.

Karl May: Die weltweite Auflage seiner Werke wird heute auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland. Er wurde in 40 Sprachen übersetzt. Insgesamt gibt es von ihm 100 Bände. Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Wer kennt sie nicht? Seine Figuren leben bis heute in den Köpfen seiner Leser.

Sieht aus wie ein kleiner Niketempel: Karl Mays Grab

Karl May: Grab im Nike-Tempel

Wer schon mal in Athen war, den erinnert dieses Grabmal an was: an den Nike-Tempel am Eingang zur Akropolis. Genau der diente nämlich auch als Vorbild. Das Original ist etwas größer, der in Radebeul ist so etwa 5 Meter hoch.

Doch wie kommt der Sachse Karl May, der seine Geschichten über Amerika und den Orient schrieb, dazu,  in einem griechischen Tempel begraben zu sein? 1900 reiste Karl May durch den Orient. Seine Frau Emma und ein befreundetes Ehepaar, Klara und Richard Plöhn, ein Unternehmer, waren dabei. Während der Reise waren sie auch in Athen. Hier trafen sie sich mit Professor Ziller. Der Professor stammte aus Radebeul, hatte dort zusammen mit seinem Bruder eine Firma. Der Architekt Paul Ziller war es übrigens, der das antike Olympiastation in Athen ausgegraben hatte. Aber das nur am Rande.

Die Mays und die Plöhns. Gesehen im Karl May Museum

Professor Ziller begleitete die beiden Paare auf die Akropolis und dort waren die vier Freunde so angetan vom Niketempel, dass man beschloss, als ihr gemeinsames Grabmal einen solchen verkleinerten Niketempel in Radebeul bauen zu lassen.

Karl und Klara May in Radebeuel

Kurz nach der Reise starb Richard Plöhn. In Radebeuel wurde 1903 die Familienbegräbnisstätte der Familien May und Plöhn gebaut. Den Niketempel stammt von eben diesem Architekt Ziller. Tja, und wie das Leben so spielt und wo die Liebe hinfällt: Einige Jahre später trennte sich Karl May von Emma und heiratete Klara.

Figurengruppe im Grabmal

Rechts, das sollen die beiden Frauen von Karl May gewesen sein, die für diese Figuren Modell gestanden haben sollen

1912 starb Karl May. Er wurde an der Seite seines Freundes Richard Plön beigesetzt.

1942 standen Feiern zum 100. Geburtstag von Karl May an. Da gab es auf einmal das Gerücht, Richard Plön sei Halbjude gewesen. Und am Grab eines Halbjuden würde man keine Feier veranstalten. Die fand auch nicht statt. Klara May wurde unter Druck gesetzt und: sie ließ Richard Plön aus der Gruft entfernen und in Dresden verbrennen und dann bestatten. Mit ihrer inzwischen verstorbenen Mutter, die auch in der Gruft lag, machte sie dasselbe. 1944 ist Klara May dann auch gestorben. Sie wurde in der Gruft beigesetzt.

Engel empfangen eine Seele

Der Innenraum des kleinen Tempels hat ein Glasdach, durch das wird die Figurengruppe aus Marmor in der Nische beleuchtet. Die Gruppe mit dem Namen „Engel empfangen eine irdische Seele“ hat der Bildhauer Selmar Werner, ein Freund Karl Mays, gemacht. Wenn man sich die beiden Engel rechts anschaut: Emma und Klara sollen dafür in Faltengewändern in der Villa Shatterhand Modell gestanden haben….

Eine der beiden Bänke von Sascha Schneider

Unter dem Bild steht:
SEI UNS GEGRÜSST! WIR, DEINE ERDENTATEN,
ERWARTETEN DICH HIER AM HIMMELSTOR
DU BIST DIE ERNTE DEINER EIGNEN SAATEN
UND STEIGST MIT UNS NUN ZU DIR SELBST EMPOR

In der Mitte des Raumes liegt die Grabplatte.

Museumschef Patty Frank ruht nebenan

Gegenüber dem Tempel stehen zwei Ruhebänke. Die hat der Bildhauer Sascha Schneider gemacht, auch ein Freund von Karl May. Man kennt Sascha Schneider als Illustrator der Deckelbilder der Reiseerzählungen von Karl May. Jedenfalls die, die im Verlag Fesenfeld erschienen sind. Den Leser und dem Verleger gefielen die Bilder nicht, also gab in der nächsten Auflage schon andere Deckelbilder.

Das Grab von Patty Frank

Grabmal mit Indianderhaupt

Inschrift auf Patty Franks Grabstein

Noch ein weiteres Grab lockt mich: Etwas entfernt vom Tempel ruht Patty Frank. Er hieß eigentlich Ernst Tobi hieß und war ein Zirkusartist aus Österreich. Patty Frank hatte eine große Sammlung indianischer Gegenstände, tauchte so gegen 1926 in Radebeul bei Klara May auf und überredete sie zum Bau eines Indianermuseums. Das ist bis heute die Villa Bärenfett im Garten von Villa Shatterhand. Da werden indianische Gegenstände gezeigt. Patty Frank wurde damals der Kurator des Museum, leitete es, machte die Führungen. Er starb 1959.

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