Krieger, Fürsten und Magie in der “Keltenwelt am Glauberg”

Die "Keltenwelt am Glauberg", ein Museum mit Archäologischen Park nahe Frankfurt in Hessen, entführt in die Welt der Kelten

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Die “Keltenwelt am Glauberg”, ein Museum mit Archäologischen Park nahe Frankfurt in Hessen, entführt in die Welt der Kelten, ihrer Krieger, Fürsten und Magie. Wer waren jene Kelten, die von ihrem Volk vor über 2500 Jahren in Hügelgräbern am Glauberg in der Wetterau beerdigt wurden? Waren sie große Krieger oder einer ein mächtiger Fürst? War seine Krone aus Misteln? Zogen Druiden und trauernde Krieger mit den Leichnamen über eine mehrere Hundert Meter lange Prozessionsstraße zu den Gräbern? Wie lebte das Volk des toten Fürsten oben auf dem Berg, an dessen Fuß man ihn bestattete? (Foto: Goll)

Im Keltenmuseum am Glauberg in Hessen

Der Fund am Glauberg gilt als Sensation

Fragen, auf die Archäologen auch heute noch keine Antworten wissen. Dennoch. Der Fund des keltischen Grabhügels am Glauberg – knapp 30 Kilometer nördlich von Frankfurt – gilt in der Historikerwelt als Sensation. Auch, weil neben dem Grabhügel eine Statue gefunden wurde. 1,80 Meter ist sie hoch und aus Sandstein. Sie ist fast vollständig erhalten (nur die Füße fehlen) und zeigt einen keltischen Fürsten. Sah der Tote im Hügelgrab aus wie diese Figur? Wer der Statue heute gegenübersteht wird ergriffen. Nicht nur von Ehrfurcht vor den handwerklichen Können der Kelten. Sondern, weil er die Mystik spürt, die diesen Ort umgibt.

 

Das Museum und der Archäologische Park locken jährlich bis zu 100 000 Besucher
Foto: Kronenberg

2011 wurde die “Keltenwelt am Glauberg” eröffnet

Neben dem Grabhügel hat man 2011 ein Museum gebaut. Ein sehr modernes. “Keltenwelt am Glauberg” heißt es. Lösungen auf das Rätsel des Kriegerfürsten, der Krieger und des Keltenstammes bekommt man dort nicht viele. Stattdessen entführt die “Keltenwelt” aber seine Besucher in und durch eine unbekannte Welt. Die “Keltenwelt am Glauberg”, ein Museum mit Archäologischen Park, ist eine der interessantesten Ausgrabungsstätten in Deutschland. Hier gab es einmalige Funde – und dennoch wissen wir fast nichts über diejenigen, die uns diese Schätze hinterließen. Die “Welt der Kelten” – ein rätselhaftes Stück Geschichte. Schon im 19. Jahrhundert interessierten sich die damaligen Archäologen für den Glauberg, auf dem Reste früher Besiedlung zu finden waren. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts machte man weitere Ausgrabungen, damals suchte man schon konkret nach keltischen Spuren. Auch in den 80er Jahren grub man wiederum auf dem Glauberg.
Der Blick Richtung Süden: Hinter dem rekonstruierten Grabhügel liegt die
Prozessionsstraße / Foto: Kronenberg
Die Grabanlage am Fuß aber fand man erst 1987. Bei einem Rundflug entdeckte ein Forscher im Feld die kreisrunden Spuren eines Grabhügels, der oberirdisch bereits seit langem abgetragen war. Was folgte, waren die jahrelangen Ausgrabungen einer gewaltigen Grabanlage, die fast einen halben Kilometer lang ist und der Fund der riesigen Statue.

Annäherung an die Keltenwelt

Der “Keltenwelt” kann man sich heute auf mehreren Wegen nähern. Mit dem Auto tun es die meisten. Vom Ort Glauburg aus führt eine schmale Straße leicht bergan. Sie endet direkt an der Keltenwelt am Glauberg.
Oder man geht zu Fuß. Von Düdelsheim aus. Auf dem Fußweg von Süden her wächst dann der magische Berg – er ist knapp 150 Meter hoch – in der ansonsten nur welligen Wetterau beim Näherkommen. Und mancher spürt sie plötzlich: die Anziehungskraft, die schon seit Tausenden Jahren Menschen zu dieser Erhebung nahe dem Vogelsberg zieht. Plötzlich steht man an zwei Gräben, die sich parallel verlaufend in gerader Linie zum Berg hinziehen, um an einem Grabhügel am Fuß des Glauberges zu enden. “Prozessionstraße” nennen die Archäologen die Gräben.
Die Prozessionsstraße zum Grabhügel            Foto: Kronenberg

Auf der Prozessionsstraße

Sechs Meter war der Grabhügel hoch und hatte einen Durchmesser von 48 Metern. Gräben waren rundum ausgehoben. Vier Meter tief. Über 350 Meter lang war der Zuweg zum Grabhügel mit den beiden parallel laufenden Gräben, der “Prozessionsstraße”. Holzpfosten müssen am Grabhügel gestanden haben. War das ein Kalender oder Kelten? Dienten sie astronomischen Zwecken? Niemand weiß es.
Drei Gräber fanden die Archäologen im Hügel. In zweien lagen reich mit Schmuck bestattete Krieger. 20 bis 30 Jahre alt war ein Krieger, der andere 30-40 Jahre, in deren Gräbern man Schmuck aus Gold und Waffen fand. Schwert und Lanze, Hals- und Armreifen, Ringe, Gewandspangen und Gürtel, eine Röhrenkanne und eine reichverzierte Schnabelkanne aus der die Kelten Met getrunken haben. Mit Zirkelmustern, Fabelwesen und sogar winzigen goldenen Menschenköpfen sind die Trinkgefäße verziert. Gefunden wurde auch eine Kopfbedeckung mit seitlichen Fortsätzen, die an Mistelblätter erinnern. Eine Krone vielleicht?
Der Grabhügel (rechts) war von Gräber umringt. Ob die Holzpfosten ein Kalender der
Kelten waren ist unbekannt. Im Hintergrund liegt das Museum/ Foto: Kronenberg
Weiter entfernt entdeckten die Forscher weitere Gräber. Eine alte Frau und zwei Kinder lagen darin. Und noch weiter weg gruben die Archäologen die Reste eines weiteren Grabhügels aus. Auch hier war ein Krieger bestattet worden. Ein Fürst und Krieger, mythologische Zierfiguren, Holzpfosten, die astronomischen Zwecken dienten, eine Prozessionsstraße – die Möglichkeiten, seine Phantasie spielen zu lassen und Theorien aufzustellen wachsen.
Lars Corsmeyer, er ist in der “Keltenwelt” für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, verweist auf einen Satz des “Herr der Ringe”-Erfinders J.R.R. Tolkien. “Das Keltische gleicht einem Zaubersack, in den man alles hineinstopfen und nach Belieben herausnehmen kann”. Denn man solle sich hüten, in die keltische Welt zu viel hinein zu interpretieren. Zu viel zu vermuten. Zu viel zu phantasieren.
Im Museum werden die Ausgrabungsfunde gezeigt/ Foto: Goll
“Denn letztendlich wissen wir nicht viel über diese Welt”, sagt Lars Corsmeyer. Denn genau das will die “Keltenwelt am Glauberg” nicht: den Besuchern ein bestimmtes Bild der Keltenwelt vermitteln. “Wir zeigen die Objekte, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, ordnen sie historisch und künstlerisch ein und erzählen dem Besucher das, was wir an gesicherten Erkenntnissen über die Zeit vor 2500 Jahren haben. Mehr nicht”, sagt er. Denn vom verbreiten ungesicherter Theorien über die Kelten hält man in der “Keltenwelt” nichts – darum gibt es im Haus sogar eine eigene Forschungsstelle

Archäologischer Park in Hessen

Dass es hier am Glauberg das Museum mit den Funden gibt, ist nicht selbstverständlich. Normalerweise werden Ausgrabungsfunde in die bekannten Museen in große Städte gebracht. Doch rund um den Glauberg interessierte man sich schon gleich nach dem Fund der großen Statue dafür, dass die Ausgrabungsschätze dort zu sehen sind, wo sie ausgegraben wurden. Im Zusammenspiel von Interessensvereinigung, Gemeinde, Kreis und Land stemmte man mit der HessenArchäologie das Projekt “Keltenwelt am Glauberg”. Heute gibt ist bei Glauburg nicht nur den Archäologischen Park auf dem Glauberg sondern auch das moderne Museum an dessen Fuß. Eine Attraktion, die bis zu 100 000 Besucher jährlich anlockt.
Durch das Panoramafenster sieht man auf das Ausgrabungsgelände mit dem
rekonstruierten Hügel             Foto: Goll
Lohnenswert sind die Fußwege über die Ebene auf dem Hügel. Sie führen vorbei an Ausgabungen aus dem Mittelalter – denn nach den Kelten kamen noch viele Bewohner zum magischen Hügel.

Ein minimalistisch aussehender Museumsquader

Das Museum oberhalb der rekonstruierten Grabanlage ist alleine als Bauwerk schon sehenswert. Ein Architektenbüro aus Aachen, Kadawittfeldarchitektur, zeichnet für Bau und Ausstellungspräsentation verantwortlich. Ein minimalistisch aussehender Museumsquader, der wie ein Fundstück aus dem Hügel ragt, der von Innen – durch eine gigantisches Panoramafenster – wie ein Fernglass wirkt. Eines, durch das man vom Innern des Museum auf das Ausgrabungsgelände am Fuß des Glauberges schaut.
Raumteiler im Innern der 500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche führen Besucher wie entlang eines Bandes in und durch die Geschichte. Ein Spaziergang in und durch die Geschichte. Die Ausstellung – man nutzt mit Absicht kein Tageslicht, das erwartet uns später beim Blick durch das Fernglas auf die reale Welt von heute – zeigt das bei Ausgrabungen gefundene.
1,80 Meter groß ist die faszinierende Statue des Keltenfürsten
Foto: Kronenberg
Man darf keine großen Erwartungen an die Menge des Gezeigten haben. Aber der Zustand der Fundstücke nach der Restaurierung und deren Präsentation sind erstklassig. Es ist zugleich ein Spaziergang durch die Keltenforschung, entlang von Fehlwegen auf der Suche nach Wahrheiten. Aber ohne dem Besucher ein bestimmtes Bild aufdrängen zu wollen. Die “Keltenwelt” zeigt das, was wir heute über diese Zeit wissen – nicht was wir vermuten. Und das macht die “Keltenwelt” höchst interessant.

Die Statue des Keltenfürsten

Der Weg entlang der Geschichte und den Ausstellungsstücken (für Kinder gibt es übrigens eine Extra-Beschilderung mit einer Geschichte) endet – bevor wir durch das Panoramafenster auf den Grabhügel schauen – an der Statue des Keltenfürsten.
Augenblicke der Begegnung, die man genießen muss. 2500 Jahre nach der Entstehung schauen wir in das Gesicht des Unbekannten. Und die Magie eines Ortes, der seit 6000 Jahren besiedelt wurde und dessen faszinierendste Funde 2500 Jahre auf ihre Entdeckung warteten, erfasst und fesselt uns.

 

Keltenwelt am Glauberg
Am Glauberg 1
63695 Glauburg

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr,

Montag geschlossen

Eintritt (2014)
Erwachsene: 5,00 € / ermäßigt: 3,50 €

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