Prächtige Villen in den verwunschenen Gärten der Toskana

Unterwegs in den prächtigen Villen der Toscana

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Zeus schaut streng in die liebliche Landschaft der Toskana.  Stumm lächelt Aphrodite zu Hera hinüber. Ein Windhauch streicht über Dionysos, während sich sanft strahlend blaues Wasser glitzernd im achteckigen Becken kräuselt. Zeus, Aphrodite und viele andere griechische Götter dienten der Familie Pfanner aus Lucca als Dekoration. Geschaffen aus schneeweißem Carrara-Marmor und eingefügt in einen verwunschen aussehenden Garten mit in vielen Farben leuchtenden Blumen, mit Hecken, Bäumen und Rasenflächen scheint sich diese Götteroase zwischen dem Stadtwall und den mit roten Ziegeln gedeckten, eng zusammenstehenden Wohnhäusern Luccas hinter dem prächtigen Palazzo Pfanner verstecken zu wollen.

Beschwingte Leichtigkeit in der Toskana

Im kleinen Lucca, wenige Kilometer von Pisa entfernt, scheint die Zeit jede Bedeutung verloren zu haben. Es ist die beschwingte Leichtigkeit mit der man in Lucca das Leben genießt. Im Mittelalter war Lucca die Hauptstadt der Toskana.
Dank des Seidenhandels kam finanzieller Reichtum hinzu. Was lag näher, als Reichtum und Lebensfreude zu verbinden? Ein Ausdruck dafür sind die prächtigen Villen und Gärten, die vermögende Familien im Mittelalter errichten ließen. Sie zu sehen und die kunstvollen Gartenanlagen zu durchstreifen, bedeutet einzutauchen in die vergangene Welt voller Fröhlichkeit, Genuss, Leichtigkeit im Norden der Toskana.
Der Palazzo Pfanner und sein Garten gehören dazu. Aber auch die Villa Mansi. Während das mächtige Wohnhaus der Pfanners in Luccas Innenstadt steht, hatte die geadelte Seidenhändlerfamilie Mansi außerhalb der Stadt ihre Residenz.

Die Villa der Mansi

Die Römer hatten bereits ihre Zufluchtsstätten außerhalb der Stadtmauern errichtet, um dem Trubel und der Hektik der Stadt zu entkommen. Es war die Familie Medici, die den Gedanken der ländlichen Residenzen wieder aufnahm und als erste monumentale Villen und kunstvolle Gärten außerhalb der Stadtmauern anlegten.
Unter den vielen Villen um Lucca ist die der Mansi vielleicht diejenige, die das gesellschaftliche und kulturelle leben des alten Lucca am besten wiedergibt. Inmitten des barock gestalteten Parks erheben sich die beiden trutzigen zweistöckigen Seitentrakte mit dem um eine Etage höheren Mittelbau mit eindrucksvoller Loggia.
Unter den Mansi verlieh der als Genie geltende Architekt Filippo Juvara Villa und Garten Eleganz. Im Einklang mit der Fassade aus Freitreppe, Loggia mit großzügigen Bögen und den verspielten Statuen in den Nischen ließ er den ragten mit Brunnen, Wasserspielen und vielen in Hecken versteckten Statuen in eine barocke Kulisse wie aus einem Märchen verwandeln.
Im kleinen Ort Camiliano, nordwestlich von Lucca, ist die Villa Torrigiani zwar weniger prunkvoll, wie die der Mansi, doch mit der von ihr ausgehenden Eleganz ist sie einer der architektonisch bedeutendsten der Luccheser Landpaläste.
Eine lang gestreckte Zypressenallee endet an einem hohen schmiedeeisernen Eingangstor. Es öffnet den Blick auf einen mit reizenden Statuen, plätschernden Wasserspielen zwischen Blumenbeeten und kunstvoll geschnittenen Hecken geschmückten Park. In seiner Mitte glänzt die Villa.
Um 1600 errichtet, wirkt sie auf den ersten Blick gewaltig. Im Gegensatz zur Villa Mansi bildet nur ein Bogen den Zugang zur Eingangsloggia. Dafür gibt es in der zweiten der drei Etagen eine weitere Loggia mit Statuen in Nischen und auf der Balustrade.
Der Park aus Grotten, Brunnen und Hecken ist eine märchenhafte Kulisse für den Zauber gesellschaftlicher Ereignisse. Er entstand nach Plänen André le Notres, der als bekanntester französischer Gartenbaumeister den Jardin des Tuilleries in Paris und den Park von Schloss Versailles angelegt hatte. Der Marchese Nicolas Santini, er war Botschafter der Republik Lucca am Hof des Sonnenkönigs in Versailles, hatte 1636 das Anwesen erworben und hier Le Notres Gartenbaukunst in die Toskana exportiert.

Villa Garzoni

Eine elegante Anlage beherrscht den Ort Collodi, knapp 20 Kilometer östlich Luccas: die Villa Garzoni samt Park. Es war der Markgraf Romano Garzoni, der den sich steil einen Berg hochziehenden Park im neoklassizistischen Stil des 18. Jahrhunderts und die dazu gehörende gewaltige Rokkokovilla auf den Resten einer mittelalterlichen Festung erbauen ließ. Kunstvoll angelegte Blumenbeete zeigen in der Gartenanlage auf drei Niveaus ein dekoratives strenges Muster. Miteinander verbundene Treppen und Terrassen begleiten den Weg bergan, vorbei an Kaskaden, Springbrunnen, Teiche und Kanäle. Ein dichter Wald und Grotten entführen in eine Phantasiewelt. Durch einen Irrgarten und einen Bambusdickicht führt der Weg zum Landhaus der Familie Garzoni.
Hier, in der Küche der Villa, betrat vor über 100 Jahren ein hölzerner Bengel die Welt. Carlo Lorenzini schrieb in dieser Küche unter dem Pseudonym „Carlo Collodi“, sein Buch „Pinocchio“, das 1883 erschien.
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