Rysum in der Krummhörn | Hier scheint die Zeit stillzustehen | Ostfriesland

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Das Dorf Rysum in der Krummhörn in Ostfriesland: ein Dorf, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Es gilt als eines der schönsten Dörfer in Niedersachsen.

Rysum hat bereits vor über 1000 Jahren existiert. Das weiß man aus einer Urkunde, die man in einem Kloster in Essen fand. Dort wird das Dorf „Hrisinghem“ genannt.

Lage und Parkplätze

Wir sind hier etwa 10 Kilometer westlich der Stadt Emden. Zur Gemeinde Krummhörn gehören neben Rysum 17 weitere Warftendörfer sowie das Fischerdorf Greetsiel.

Wir haben an der Mühle von Rysum geparkt. Da gibt es einige wenige Parkplätze. Parken ist in den Dörfern der Krummhörn sowieso nicht einfach. Parkplätze für Besucher gibt es nämlich kaum. Am besten fährt man hier bei einem Tagesausflug mit dem Fahrrad hin.

Im Dorf ist es ruhig. Häuser, Vorgärten und Gassen sind hübsch und gepflegt. Ein Juwel! Das nenne ich Idylle. Ein malerischer Ort.

Traditionelle friesische Wohnhäuser in Rysum

Die Zeit scheint in den schmalen Gassen einfach stehen geblieben zu sein. Alte Bauernhäuser, schmucke Arbeiterhäuser und traditionelle friesische Wohnhäuser stehen dicht beieinander. Rysum soll die am besten erhaltene Warft im norddeutschen Küstenbereich sein. Das Dorf gehört zu den Vorzeige-Dörfern in Ostfriesland.

Rysum ist ein Rundwarftendorf

Rysum ist ein sogenanntes Rundwarftendorf. Dörfer, die auf Warften gebaut wurden, sind hier im Norden gar nicht so unüblich. Das heißt, Rysum wurde auf einer Warft gebaut. Eine Warft, das ist ein aufgeschütteter Hügel, in der Regel aus Erde, Mist und Klei, auf dem eine Siedlung gebaut wurde. Auf der so erhöhten Fläche war man vor dem Wasser der Nordsee bei Sturmfluten sicherer. Denn Deiche gab es vor über tausend Jahren noch nicht.

Ein Rundwarftendorf wie Rysum ähnelt einem Rundlingsdorf. Die Höfe und Häuser sind kreisförmig auf dem Hügel gebaut. Um die Warft führt ein Ringweg. Von dieser Ringstraße zweigen kleine „Lohnen“ (das sind Wege) sternförmig zum Mittelpunkt des Ortes ab.

Dieser künstlich angelegte Hügel auf dem das Dorf steht, also die Dorfwarft, soll sechs Meter hoch sein. Sie hat einen Durchmesser von knapp 400 Metern. Größer ist das Dorf, der Dorfkern, nicht.

Burg und Gulfhöfe

Als Risum – geschrieben mit einem i wurde das Dorf erstmals 1355 bezeichnet, in der heutigen Schreibweise – nämlich mit y – erst hundert Jahre später.

Eine Burg hat es hier auch mal gegeben. Sie wurde aber aufgegeben. Inzwischen ist von dem Gebäude nichts mehr zu sehen.

Mehrere Gulfhöfe gibt es hier. Und eine Menge Landarbeiterhäuschen. Das älteste ist aus dem Jahr 1766.

Kirche mit wertvoller Orgel

Im Ortsmittelpunkt steht die Rysumer Kirche. Die hat man an der höchsten Stelle der Warft gebaut. Die evangelisch-reformierte Kirche ist innen schlicht, ja karg. Im 11. Jahrhundert stand hier ein Holzbau. Hundert Jahre später folgte ein erster Steinbau. Und der wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrmals umgebaut.

Der Schatz hier in der Kirche ist die Orgel von 1457. Sie ist im Grundbestand noch im Original erhalten. Sie gilt als eine der ältesten und besterhaltenen Orgeln in Nordeuropa. Die Rysumer haben damals Vieh verkauft, um die Orgel bezahlen zu können. Die Orgel funktioniert bis heute.

Das Gasthaus am Markt

Nahe der Kirche steht das Gasthaus „Am Markt“. Die Gaststätte befindet sich seit 1901 durchgehend im Familienbesitz. Mittlerweile wird sie in dritter Generation geführt. Vorher, um 1850, was das Haus ein Kolonialwarenladen mit Ausschank.

Wenig entfernt steht das Landhaus Rysumer Plaats, ein wunderschön restaurierter Gulfhof mit einem Restaurant.

Die Museumsmühle

Die Rysumer Mühle ist ein sogenannter Galerieholländer. Drei Stockwerke hoch und achteckig. Die Windmühle wurde 1895 als zweistöckige Mühle erbaut. Nach einem Brand 1921 baute man sie dreistöckig wieder auf.

Anfang der 60er Jahre hatte der damalige Müller hatte kein Geld sie reparieren zu lassen. Die Mühle wurde in der Folge teilweise abgebaut, der Rest verfiel. Dann kam glücklicherweise die Interessengemeinschaft, die sie wieder aufbaute. Exakt zu ihrem 100. Geburtstag wurde die Mühle nach der Restaurierung 1995 ein zweites Mal eingeweiht. Heute ist sie eine Museumsmühle.

Ein Galerieholländer ist so hoch, dass man die drehbare Kappe nicht mehr von unten bedienen kann. Darum gibt es die Galerie, eine umlaufende hölzerne Arbeitsbühne, ein Balkon. Von der Galerie aus können Flügel und Bremse bedient werden.

Besichtigung der Mühle

Heute kann man die Mühle besichtigen. Wir klettern die steilen Leitern im Innern hoch. Auf den Etagen gibt es kleine Ausstellungen zur Mühle und deren Arbeitsweise und ein Modell des Dorfes. Der Höhepunkt aber kommt, wenn man die Galerie betritt. Weit schweift der Blick über Rysum und darüber hinaus. Eine fantastische Aussicht.

Rysum, eine Idylle. Ein Tag, den man, wenn man Ruhe mag, genießen kann.

Das anderswohin-Video über Rysum

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