Pension Völkerschlacht 1813 | Hier war ein Schlachtfeld

Auf historischen Boden, in der Pension Völkerschlacht 1813, übernachteten wir nahe Leipzig. Hier hatte der König von Neapel seinen Befehlsstand.

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Sie ist die bis dahin blutigste Schlacht der Menschheitsgeschichte: die Völkerschlacht bei Leipzig. Mehr als eine halbe Million Soldaten aus über 20 Völkern standen sich hier vom 16. bis 19 Oktober 1813 gegenüber. Es ging um die Vorherrschaft über Deutschland und Europa. Am Ende der Schlacht starben mehr als 100.000. Auf der einen Seite standen die verbündeten Monarchen von Russland, Österreich, Preußen sowie der Kronprinz von Schweden. Auf der anderen Seite: Napoleon, seit neun Jahren Kaiser von Frankreich, ein Jahr zuvor noch unumschränkter Herrscher über Europa. Er führte fast 200.000 Mann: Franzosen, Deutsche, Polen, Italiener, Schweizer, Niederländer, Kroaten.

Das ehemalige Gut Wachau: Heute befinden sich hier die Apartments

Im Apartment

Pension Völkerschacht 1813: Wohnen auf dem Schlachtfeld

Unsere Unterkunft ist die „Pension Völkerschlacht 1813“ südlich von Leipzig. Zum Völkerschlachtdenkmal sind es von hier nur ein paar Kilometer. Hier war einmal das Gut Wachau. Der Ort gehört zu Markkleeberg. Wir sind hier auf dem historischen Boden der Völkerschlacht. Heute stehen hier neugebaute Gebäude – damals stand hier das Rittergut zu Wachau.

Die Pension Völkerschlacht, ein ehemals landwirtschaftliches Anwesen. Heute ist ein Teil der Gebäude zum Hotel bzw. Ferienwohnungen umgebaut. Der Komplex befindet sich in zwei verschiedenen Häusern um den Hof.

Was war 1813 geschehen?

Was war vor den Oktobertagen 1813 geschehen? Ein Jahr zuvor war Napoleon in Russland geschlagen worden. Preußen schloss ein Bündnis mit Russland und erklärte Frankreich den Krieg. Bei Leipzig will Napoleon die Entscheidung suchen. Hier hofft er, die von Süden anrückende alliierte Hauptarmee vernichten zu können, bevor sich diese mit der Schlesischen und der Nordarmee vereinigen kann.

Wohnraum, Bad und Kochzeile: so sehen die Apartments aus

Am 14. Oktober geraten südlich der Stadt französische Verbände mit Erkundungstruppen der Hauptarmee aneinander. Das Gefecht bei Liebertwolkwitz, nur ein paar Kilometer von Gut Wachau entfernt, ist mit 15.000 Kavalleristen der größte Reiterkampf des Jahres.

Hier, im Rittergut Wachau, war an diesem 14. Oktober das Hauptquartier von Joachim Murat, König von Neapel, Marshall von Frankreich und übrigens Schwager Napoleons. Von hier aus befehligte er die Kavallerie beim Gefecht und führte selbst einen Kavallerieangriff mit (vermutlich) etwa 5000 – 8000 Reitern an. Durch den Angriff Murats auf die Gegner gewann Napoleon Zeit, seine Truppen in den Leipziger Süden zu verlegen.

Napoleon unterliegt am Ende, zieht sich dann über den Rhein zurück. Später kommt es zur berühmten Schlacht bei Waterloo. Es war das Ende der napoleonischen Vorherrschaft über Deutschland.

Auf historischen Boden übernachten…

Was geschah mit Gut Wachau?

Heute sieht es hier, auf dem ehemaligen Gut Wachau, nicht mehr so aus, wie wir auf historischen Bildern von 1813 sehen. Zwar überstand das Gut die Völkerschlacht, doch das Herrenhaus und die meisten Wirtschaftsgebäude von Rittergut Wachau wurden 1945 zerstört und anschließend abgebrochen. Vom ehemaligen Herrenhaus mit Wirtschaftsgebäuden, das an drei Seiten von einer Parkanlage umgeben war, verblieb nur ein Stallgebäude.

In den Hotelgängen hängen Bilder und Schrifttafeln, die uns die Geschichte des ehemaligen Rittergutes erzählen. Vor der Völkerschlacht, 1802,  hatte Johann Gottlieb Quandt der Ältere, ein Tabakhändler, das Gut gekauft und im englischen Stil umgestaltet. Hier gab es einen Park mit Gewächshaus, Orangerie und die später sogenannte Murat-Linde. Das war eine Linde direkt an der Gutsmauer. Sie hatte eine gewundene Treppe. 60 Stufen ging es rauf. Oben war eine Aussichtsplattform. Bis nach Leipzig konnte man angeblich sehen.

Eine Tafel weist auf König Murats Anwesenheit hin

Nach der Völkerschlacht 1813 bekam der Baum den Namen Murat-Linde, weil der König von Neapel am 14. Oktober, so eine Notiz, das Heranrücken der Böhmischen Armee mit seinen Stabsoffizieren von dort aus beobachtete hatte. Das Ende der Linde kam 1898. Damals schlug der Blitz in den Baum und er musste gefällt werden.

Im Park der Pension

Zwischen Rezeptionsgebäude und Ferienhausanlage geht es in den Park des Gutes. Früher war hier ein Park im englischen Stil mit einer Orangerie. Aber noch heute finden wir hier Spuren aus dem 19. Jahrhundert.

Das ist er: König Murat von Neapel, Schwiegersohn Napoleons. und irgendwie mein Vormieter hier…

Die Murat-Linde steht nicht mehr hier; stattdessen eine später gepflanzte. Neben der Linde liegt (vermutlich) ein kleines Massengrab aus der Völkerschlacht. Ein Gedenkstein nennt Namen der Toten.

Einige Meter entfernt steht ein klassizistischer Sarkophag. Es ist das Denkmal für  Friederike Quandt, errichtet 1806. Über sie schrieb ein Chronist aus Lieberwolkwitz: “Die Familie Quandt hat sehr viel zur Verschönerung der Umgebung und des Gutes getan, namentlich die Frau Rahel Friederike Quandt”. Ihr Sohn Johann Gottlob von Quandt (er war bis 1820 Rittergutsbesitzer, wurde ein zu seiner Zet sehr bekannter Kunstsammler und Mäzen) hatte das Denkmal für seine Mutter errichteten lassen.

Wenige Meter vom Denkmal entfernt erhebt sich ein Eisentor an der Grundstücksgrenze. Das aber ist kein Gartentor. Es wird oder wurde nur als solchen gebraucht. Das hier ist in Wirklichkeit ein ehemaliges Stadttor vor Leipzig. Vor allem: Es ist der einzige bauliche Überrest der einstigen Leipziger Stadttore.

Historische Aufnahme von Gut Wachau

Das Stadttor im Park

Es ist das sogenannte Windmühlentor von Leipzig. Eine Familie Weinschenk kaufte das Rittergut. Nach dem Bau der Chaussee vergrößerte Friedrich Wilhelm Weinschenk 1868 den Rittergutpark bis an die Straße. 1862 hatte er das Leipziger Windmühlentor ersteigert- dann nutzte er es hier als als Gartentor.

Der Sarkophag und das Leipziger Stadttor im Park

Aus dem Park kehre ich zurück in unser Apartment, gehe vorbei an Bildern der ehemaligen Besitzer des Gutes, am Portrait von König Murat, an Bildern der Völkerschlacht und sehe Fotos des Gutes von vor der Zerstörung 1945. Auch Bilder aus der Zeit nach dem Bombenangriff sind dabei. In diesem Gebäude, sagt eine Tafel, hatte König Murat seinen Befehlsstand. Ich atme durch. Auf historischem Boden zu übernachten und dort Geschichte zu atmen, begeistert mich.

 

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