Das Dörpmuseum Münkeboe: Im Dorf der „alten Ostfriesen“

Ein Freilichtmuseum zum Thema "Arbeiten und Leben um die Jahrhundertwende in Ostfriesland" Foto oben: Monika Kronenberg

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Im Dorfmuseum Münkeboe, das sich selbst „Dörpmuseum Münkeboe“ nennt, gingen wir auf Spurensuche nach dem Leben im „alten Ostfriesland“.

Um etwas über das Arbeiten, Leben und Wohnen in der Vergangenheit zu erfahren, besuchen wir immer wieder auch Freilichtmuseen. Jede Region zeigt verschiedene Bauformen der Häuser und auch eine andere Geschichte. Und damit war auch das Leben der Bewohner mehr oder weniger unterschiedlich von dem in anderen Landstrichen.

Das Dorf Münkeboe ist Teil der Gemeinde Südbrookmerland nahe Aurich. Im Museum geht es und das „Leben und Arbeiten der Bewohner eines kleinen Moorranddorfes aus vergangenen Tagen“, so die Dorf-Arbeitsgemeinschaft Münkeboe und der Mühlenverein, die Träger des Dörpmuseums sind.

Dorfmuseum Münkeboe: Ein Museum zum Anfassen

Heute gilt das „Dörpmuseum Münkeboe“ als „Museum zum Anfassen“, denn hier darf man ausgestellte Sachen, wie Werkzeuge, tatsächlich anfassen, erklärt man uns im „Dat Ingangshuus“, dem Eingang zum Museum.

Drinnen erwarten uns um einen Dorfplatz aufgebaut und eingerichtet die Häuser des Dorfes. Da ist die Schmiede mit einem großen, manuell betriebenen Blasebalg, Amboss und Hammer, Wasserbad und Werkbank. Daneben steht die Stellmacherei, in der früher Pferdewagen und Kutschen hergestellt wurden, heute dagegen Schubkarren und Räder.

Wie alles anfing

Alles hatte mit einer Mühle angefangen. Zwischen 1982 und 87 restaurierte der Mühlenverein die verfallende Mühle des Ortes. Daraus entstand der Wunsch auch andere alte Gebäude, Werkzeuge der Handwerker und Dinge des täglichen Lebens aus Großvaters Zeit, zeigen zu können.

Die Idee wurde umgesetzt und schon 1992 das Dörpmuseum eröffnet. Eine Schmiede, Bäckerei, Kolonialwarenladen, Schule, Stellmacherei und ein Sägewerk wurden in der Region abgebaut und auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut. Gerätschaften aus den Häusern brachte man ebenfalls mit.

Sägerei und Dorfkrug

Es nieselt ein wenig. In der Sägerei ackert ein über 90 Jahre alten Dieselmotor, der eine Gattersäge antreibt. Vorbei am Spritzenhaus mit den Spritzpumpen aus verschiedenen kommen wir an einem Nebenplatz zum Dorfkrug mit Destille. Die Destille, die mehr einem Labor ähnelt, zeigt alles, was zur Herstellung von Weinbrand braucht. Das Inventar stammt übrigens von der Firma Doornkaat. Im gleichen Haus hat man mit dem Dorfkrug eine gemütliche Kneipe aus alten Tagen eingerichtet.

Gulfhof und Kolonistenhaus

Das größte Gebäude im Museum ist das Gulfhaus, das man auch als Gulfhof oder Ostfriesenhaus bezeichnet. Der Gulfhof ist eine für Ostfriesland typische Bauernhausform. Ein Gulfhof besteht aus einem Vorderhaus, in dem sich der Wohntrakt befindet, und dem angrenzenden Scheunentrakt. Die Mitte des Scheunentraktes bildet der „Gulf“. Das ist eine Lagerfläche für Heu, Erntegut und Geräte. Drinnen gibt es unter anderem landwirtschaftliche Gerätschaften und Maschinen, vom Mähdrescher und Pflug bis zum Traktoren.

Gegenüber steht ein sogenanntes Kolonistenhaus. In solchen Häusern lebten im 19. Jahrhundert Moorkolonisten. Sie entwässerten das Moor, stachen Torf und kultivierten das Land für den Ackerbau. Während viele der Moorkolonisten in ärmlichen Lehmhütten hausten, ist die gezeigte Unterkunft komfortabel. Küche, die Butzen als Schlafgelegenheit und der Esstisch in der Raummitte waren der Lebensbereich. In der Scheune, die heute Ausstellungsraum für Kunsthandwerk ist, gab es früher die Dreschdiele, Lagerplätze für Heu und Stroh, Viehställe und Plumpsklo.

Mit Zweierbänken, Lehrerpult, Wandtafel, Schränken und alten Landkarten ausgestattet ist die Dorfschule. Sie ist der ehemaligen Schule im Nachbarort Moorhusen nachempfunden.
In der eingerichteten Bäckerei werden Museumsbrötchen gebacken und im dahinter liegenden Kolonialwarenladen, der eingerichtet ist wie ein „Tante Emma-Laden“ zur Jahrhundertwende, verkauft.

Als ein Torfschiff ins Museum rollte

Hinter der Veranstaltungsbühne am Dorfplatz liegt tatsächlich seit der Museumseröffnung ein Schiff. Dieses Schiff war früher in der Nachbargemeinde als Torfschiff im Einsatz. Es diente zum Transport des abgebauten Torfes. Als um 1950 immer mehr Lkw den Transport übernahmen, hatte man das Schiff im Moorkanal versenkt. Die Betreiber des Museums buddelten das Schiff wieder aus und transportierten es auf dem Landweg auf Rollen aus Telefonmasten hierher ins Museum.

Hinter dem Dorfkrug wird seit 2018 eifrig gebaut. Hier entsteht ein weiteres Museumshaus, in dem eine Landapotheke, ein Friseursalon, Schneider und Schuster Platz finden sollen.

Das Dörpmuseum lässt den Besucher, wenn er dann auch noch die außerhalb des Museumsgeländes liegende Mühle gesehen hat, in die alte Zeit reisen. Das Dörpmuseum Münkboe bietet viel Anschauungsmaterial zur Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts. Der Besuch in diesem „alten Ostfriesland“ hat sich gelohnt.

Dörpmuseum Münkeboe
Mühlenstraße 3a
26624 Münkeboe

 

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