Warum Sie die Osterburg und die Manningaburg sehen sollten | Ostfriesland

Die Osterburg in Groothusen und die Manningaburg in Pewsum spiegeln die außergewöhnliche Geschichte Ostfrieslands wider.

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Mit der Osterburg in Groothusen und der Manningaburg in Pewsum stehen in der Krummhörn zwei interessante Burgen, in denen sich die außergewöhnliche Geschichte Ostfrieslands widerspiegelt.

Während die Osterburg am Ortsrand des Dorfes Groothusen steht und heute als Restaurant und Wohnhaus dient, steht die Manningaburg in Pewsum mitten im Ort. Die Anlage, von der nur ein Teil erhalten ist, dient heute als Museum.

Ausflugsziel Osterburg

Die Osterburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders wegen des Restaurants und des Cafés mit Biergarten sowie des Parks kommt man hierher. Der Parkplatz liegt an der Straße neben der Burganlage. Von hier geht es ins Restaurant in einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude. Wenige Meter entfernt führt eine Steinbrücke über einen Wassergraben in den Burghof mit dem Herrenhaus.

Pan im Wald

Wer dem Weg entlang des Wassergrabens folgt und die Figur eines kleinen Löwen aus Stein passiert, betritt den Wald hinter der Burg. Hier liegt der ehemalige Park, der heute als „Lost Garden“ geführt wird. Eine 250 Meter lange, romantisch wirkende Lindenallee führt durch den Wald. Sie endet an einer einsam stehenden Statue des Liebesgottes Pan, einem beliebten Fotomotiv.

In Groothusen gab es früher sogar drei Burgen (Wester- und Middelsteburg kam noch hinzu). Die Osterburg ist die heute einzige erhaltene der Anlagen.

Die heutige Wasserburg, sie besteht aus Wirtschaftsgebäuden und dem von einer Graft umgebenen Wohnhaus, wurde zwischen 1490 und 1910 gebaut. Bewohnt wird das Wohnhaus von den Nachfahren der Häuptlingsfamilie Beninga, den Bauherren der Osterburg.

Ausflugsziel Mannigaburg

Mitten im Ort Pewsum, einem größeren Ort in der Krummhörn, liegt die Manningaburg. Auch hier war früher ein Häuptlingssitz. In Pewsum residierte die Familie Manninga. Im 15. Jahrhundert als Burg gebaut, verkauften die Manningas im 16. Jahrhundert die Anlage, die aus der alten Vorburg und der neuen Oberburg samt Gräften bestand. Später gehörte sie dann der Familie Cirksena, die aber die Instandhaltung nicht zahlen konnten. Die Oberburg wurde abgerissen.

Von der einstigen Anlage steht heute noch die Vorburg. Sie ist von einem breiten Graben umgeben. Erhalten ist dadurch alte Steinhaus mit einem kleinen Innenhof und dem Torhaus. Die Anlage ist gut erhalten und restauriert und damit ein sehenswerter Ort.

Das Steinhaus in Greetsiel

Ein Steinhaus, wie es vor den Umbauten zur Burganlage aussah, kann man in Greetsiel sehen. Dort steht im Ort das „Steinhaus“ als ältestes Haus im Dorf. Hier war im 14. Jahrhundert der erste Greetsieler Wohnsitz der Familie Cirksena. Das Haus ist allerdings nicht mehr der Originalbau, sondern ein eingeschossiger Backsteinbau aus dem 16. Jahrhundert. Im Kern aber besteht es aus dem um 1400 erbauten Turmhaus. Das ursprüngliche Steinhaus wurde um 1600 bis auf den Keller abgetragen und durch den heutigen Bau ersetzt.

Mit der „Friesischen Freiheit“ fing alles an

Die Herrschafts- und somit auch die Burgengeschichte in Ostfriesland unterscheidet sich von der im restlichen Europa. Ritterschaft und Adel waren bis ins 15. Jahrhundert hier unbekannt.
Als Dank dafür, dass man die Wikinger vertrieben hatte, erhielten die Ostfriesen im 9. Jahrhundert die sogenannte „Friesische Freiheit“. Damit hatten die Friesen keinen Herren außer dem Kaiser über sich. Statt dem Adel entschieden Vertreter der Landesgemeinden, in denen man genossenschaftlich organisiert war.

Im Lauf der Zeit gerieten in den Marschgebieten immer mehr Bewohner durch Handel und Landwirtschaft in die wirtschaftliche Abhängigkeit von einigen reichen Familien.
Bis zum 13. Jahrhundert baute man in Ostfriesland, das arm an natürlichem Steinvorkommen ist, nur Häuser aus Holz und Lehm. Nun aber konnten sich die reichen Familien Backsteine zum Hausbau leisten. Diese Steinhäuser wurden zum Mittelpunkt der Gutshöfe, die oft mitten im Ort standen.

Häuptlingsfamilien und Steinhäuser

Es entstand ein neues Herrschaftssystem. Die Oberhäupter der reichen Familien wurden zu „Häuptlingen“. Die Steinhäuser waren jetzt die Burgen Ostfrieslands. Eine Wende kam 1430 mit dem Aufstieg der Häuptlingsfamilie Cirksena, der nun mächtigsten Häuptlingsfamilie.

1464 wurde Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Ostfriesland als Reichsgrafschaft belehnt. Die anderen Häuptlinge wurden zu Ostfriesischen Ritterschaft und die Steinhäuser wurden zu Burgen umgebaut. Man baute zweigeschossige Saalbauten, errichtete zwei oder drei Seitenflügel und Wirtschaftsräume. Repräsentative Anlagen waren gefragt.

Die ehemaligen Burgen in Goothusen und Pewsum sind beide Zeugen der Geschichte Ostfrieslands. Als Steinhäuser und Sitz mächtiger Häuptlingsfamilien entstanden, wurden beide später zu repräsentativen Wasserburgen umgebaut. Der Besuch der beiden Burgen lässt uns heute noch in die außergewöhnliche und faszinierende Geschichte Ostfrieslands eintauchen.

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Mit der Osterburg in Groothusen und der Manningaburg in Pewsum stehen in der Krummhörn zwei interessante Burgen, in denen sich die außergewöhnliche Geschichte Ostfrieslands widerspiegelt.
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