Goslar: Auf den Spuren deutscher Geschichte | Harz

An jeder Ecke begegnet man in Goslar im Harz deutscher Geschichte: in der Kaiserpfalz und in der Altstadt. Beides gehört zum UNESCO Welterbe

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Unsere Reise in die deutsche Geschichte beginnt auf einem Parkplatz am Rande der Altstadt von Goslar im Harz. Eigentlich parken wir unseren Pkw im Chor des Goslarer Domes. Zumindest stand der Prachtbau bis Mitte des 19. Jahrhunderts hier. Damals entschlossen sich die Einwohner von Goslar ihren Dom abzureißen. Taten sie dann auch. Nur das Eingangsportal blieb stehen. Heute begrenzt diese Vorhalle den Parkplatz. Auf der anderen Seite beginnt die Altstadt.

Etwas über 50.000 Einwohner hat Goslar am Rand des Harzes. Bekannt ist besonders die Altstadt. Sie gehört immerhin seit 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe. 1500 Fachwerkhäuser gibt es hier.

Die Kaiserpfalz thront auf einem Hügel über Goslar

Wer Spuren deutscher Geschichte sucht, für den ist ein Besuch der Kaiserpfalz Pflicht. Sie thront unweit des ehemaligen Doms auf einem kleinen Hügel. Gewaltig sieht das Gebäude beim Aufstieg aus. 54 Meter ist der restaurierte Bau lang , der größte Profanbau seiner Zeit.

Die Geschichte Goslars wäre ohne die Könige und Kaiser, die hier zu Besuch waren, mit Sicherheit wenig bedeutend. Denn die Liste der Herrscher des Mittelalters, die hier ihre Hoftage abhielten, ist lang. Begonnen hat alles 1009 . Da fand hier die 1. Reichssynode unter Heinrich II. statt. Insgesamt war er 7x hier, hielt Hoftage und Synoden.

Die Front der Kaiserpfalz

 

Sarkophag Heinrich III.

Der Grundstein zur Pfalz aber wurde erst später gelegt. Das war 1025. Heinrich III. nannte Goslar seine Lieblingspfalz. Hier war das Zentrum des Reiches. In 17 Regierungsjahren wurden hier 18 oft mehrmonatige Hoftage abgehalten. Heinrich IV. soll 30 Mal in Goslar gewesen sein, Heinrich V. 10 Mal. Auch Lothar III. von Süpplingenburg, Konrad III. und Friedrich I. nannten Goslar ihre bevorzugte Pfalz.  Unter Friedrichs II. fand dann der letzte Reichstag in Goslar statt.

Winter- und Sommersaal

Drei Räume sind im Innern der Kaiserpfalz, die man sehen muss. Es gibt zwei Räume, in denen die Hoftage abgehalten wurden. Sie liegen übereinander. Unten ist der Wintersaal. Hier tagte man in der kalten Jahreszeit, denn hier gab es eine Warmluftheizung. Ein kleiner Rest davon ist im Fußboden noch zu sehen.

In einem Glaskasten gesichert steht der Kaiserthron. Der Kaiserstuhl wurde um 1060 geschaffen. Der Thron der deutschen Kaiser und Könige stand früher im Goslarer Dom. Erhalten sind drei Lehnen, die Seiten und die Rücklehne, die aus Bronze gegossen wurden. Nur im Aachener Dom gibt es mit dem Thron von Karl dem Großen noch einen weiteren Thron deutscher Kaiser in Deutschland. Hier im Wintersaal steht übrigens das Original. In der stehen gelassenen Vorhalle des ehemaligen Doms wird dagegen eine Kopie ausgestellt.

Kaiser Barbarossa schaut zufrieden auf die Kaiserfamilie herab

Stufen führen hinaus zum Sommersaal. Er hat große Fenster und einen Balkon. Hier wurde im Sommer getagt. Der Saal, der heute noch als Festsaal genutzt wird, wirkt überprächtig. Gegenüber der Fensterfront ist die gesamt Wand von riesigen Gemälden bedeckt. Der Historienmaler Hermann Wislicenus malte sie von 1877 bis 1890, als die Kaiserpfalz unter Kaiser Wilhelm I. restauriert wurde. Die Gemälde zeigen Bilder aus Geschichte und Sagen. Sie zeigen das Kaisertum der Hohenzollern in der Tradition der römisch-deutschen Kaiser.

In der Mitte des Saales, dort wo heute die Festbühne ist, sieht man das wohl beeindruckendste Bild. Vorne Wilhelm I.,auf dem Pferd,  hinter ihm sein Sohn und Thronfolger Friedrich Wilhelm. Man sieht Bismarck und die deutschen Fürsten, den Bayernkönig Ludwig II. und in der Himmelregion schaut Friederich Barbarossa zufrieden auf die Kaiserfamilie herab.

Der Sarkophag mit dem Herz des Kaisers

Wir verlassen den Sommersaal und folgen einem Gang, der zur außen liegenden Ulrichkapelle führt. Über eine Treppe steigen wir hinab in die Krypta, in der ein einziger Sarkophag steht. Oben auf dem Sarkophag zeigt eine lebensgroße Figur den liegenden Kaiser Heinrich III. Im Sarkophag liegt in einer Kapsel das Herz Regenten, das auf dessen Wunsch hin in Goslar geblieben ist und sich seit 1884 in der Ulrichskapelle befindet.

Das Rathaus wird zur Zeit restauriert

 

Marktplatz mit Gildehaus

Im Pfalzbezirk standen früher wesentlich mehr Bauten. Neben mehreren Kirchen, dazu gehörte der Dom, auch Kuriengebäude.

Der Markplatz mit dem Adler

Wir verlassen den Bereich, um jetzt die Altstadt zu sehen. Zentrale Anlaufstelle ist hier natürlich der Marktplatz.  In der Mitte des großen Platzes steht der Marktbrunnen, obendrauf das Wahrzeichen Goslars, ein Adler. Das zentrale Gebäude am Marktplatz ist natürlich das Rathaus. Der älteste Teil stammt aus dem 15. Jahrhundert. Über 400 Jahre wurde es durch immer neue Anbauten ergänzt. Zum Markt liegen  Arkaden. Im Sommer 2019 wird der Sitz des Oberbürgermeisters restauriert. Folglich haben wir nur Mauern hinter einem Bauzaun sehen können.

Dennoch gibt es weitere Gebäude am Marktplatz, die man sehen muss. Eher schlicht ist das Kämmereigebäude. Attraktion ist ein Figuren- und Glockenspiel im Giebel. Mehrmals täglich öffnen sich dort Türchen und ein Figurenumlauf erzählt die Geschichte des Rammelsberger Bergbaus.

Absolut sehenswert ist das Gildehaus. Die Goslarer Kaufleute haben es 1494 gebaut. An der Fassade thronen die Figuren der deutschen Kaiser.

Der Schuhhof

 

Dieses Haus heißt Brusttuch

Hinter der Baustelle Rathaus liegt die Marktkirche, gleich gegenüber der sehenswerte Schuhhof. Unzählige Tische und Stühle der Cafés stehen auf dem ältesten Platz Goslars. Ein gemütlicher Ort. Zwischen den stattlichen Fachwerkhäusern und vor den Arkaden des Schuhmacher-Gildehauses lässt es sich aushalten.

Schnitzereien am Brusttuch

Der Spaziergang durch die Straßen und Gassen der Altstadt führt zu immer neuen Entdeckungen. Es gibt so viele sehenswerte Bauschätze hier. Als Beispiele bleiben mir das Bäckergildehaus mit hübschem Erker und das sogenannte “Brusttuch”, eines der schönsten Patrizierhäuser Goslars mit Schnitzereien aus der Mythologie, Tiergestalten und Figuren, in guter Erinnerung.

An der Lohmühle haben wir uns vor einem Brauhauses ausgeruht. Früher gab es in Goslar rund 40 Mühlen. Die Lohmühle ist die letzte der Wassermühlen. Heute ist drinnen ein Zinnfigurenmuseum.

Ein Tag reicht nicht aus, die Schätze Goslars zu sehen. Alleine ein Spaziergang durch die Altstadtgassen kann Stunden dauern. Und er ist ein Erlebnis.

 

INFO
Kaiserpfalz
Kaiserbleek 6, 38640 Goslar
Tel. (Kasse) 05321 3119693
E-Mail: kaiserpfalz@goslar.de

Öffnungszeiten
täglich 10:00 – 17.00 Uhr

Eintritt: 7,50
HarzCard: freier Eintritt

 

Tourist-Information Goslar
GOSLAR marketing gmbh
Markt 7
38640 Goslar

Tel. (Zentrale): 05321 78060
E-Mail marketing@goslar.de

 

 

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Wer Spuren deutscher Geschichte sucht, für den ist ein Besuch der Kaiserpfalz Goslar im Harz Pflicht. Sie thront unweit des ehemaligen Doms auf einem kleinen Hügel.
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  1. Im Sommersaal würde ich auch gerne mal ein Fest feiern. Unsere Location für den 50. Geburtstag musste uns leider absagen, da es kurzfristig dort Tiefbau-Arbeiten gibt und es wegen Corona eh unsicher ist, ob etwas stattfinden kann. Aber der Saal wäre wahrscheinlich eh etwas überdimensioniert.

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