Hätzblatt: Als sich Frontman Manni verabschiedete

Abschied des Frontman der bekannten rheinischen Karnevalsmusiker von Hätzblatt

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Es wird kühl in Venrath. In einer Stunde beginnt der Rosenmontag. Vor dem Saal Lanfermann warte ich auf “Hätzblatt”. Während drinnen im Saal seit Stunden die Narren bei der letzten Sitzung dieser Session feiern, steht die Gruppe noch in Aachen und in den Niederlanden auf Sitzungsbühnen. Um 22.50 Uhr, sagt Hermann-Willi Böttcher vom Vorstand der veranstaltenden Karnevalsgesellschaft Venrother Wenk mit Blick ins Programm, ist “Hätzblatt” dran.
Der Abschied von Hätzblatt-Sänger Manni Baur
Karneval im Rheinland ist ein ganz besonderes Fest. Es rangiert in der Bedeutung gleich nach Weihnachten. So wichtig nimmt man hier die Session. Und im Raum Erkelenz, dort liegt der 900 Einwohner Ort Venrath, sind die tollen Tage am Ende der Session auch tatsächlich der Höhepunkt der 5. Jahreszeit.

Der Bus mit “Hätzblatt” fährt vor. Einer nach dem anderen steigt aus, Chris, Arnold, Marco, Wolli, die Techniker, Fotograf Markus, der Fahrer – und dann Manni. Er ist der Frontman der Gruppe. Und wegen ihm bin ich heute Abend da. Manni Baur, seit 20 Jahren als Frontman auch die Stimme von Hätzblatt, macht “Feierabend”. Aus gesundheitlichen Gründen beendet er sein Musikerdasein. Gleich wird sein letzter Auftritt mit Hätzblatt stattfinden.

Mannis “erster Job” als Frontman von Hätzblatt

“Willkommen in Euren Wohnzimmer” wird Hätzblatt von Präsident Peter-Josef Gormanns begrüßt. Der Saal jubelt. Hier kennt jeder Hätzblatt. Vor 20 Jahren, da hatte die Gruppe hier, in diesem Saal, auch ihren ersten Auftritt. Es war Mannis “erster Job” als Frontman von Hätzblatt. Gemeinsame Geschichte und Geschichten verbinden.

 

Zu Abschied eine Umarmung: Manni Baur und Ulrich Kronenberg
“Hätzblatt” beginnt den geplanten 20-Minuten-Auftritt mit ihrem Schunkelklassiker “Schmetterlingslied”, geht über zu Gassenhauern der Höhner, dann das “Dschungellied”. Niemand im Saal sitzt mehr. Hätzblatt muss man im Stehen, tanzend, klatschend, schunkelnd und mitsingend erleben.

Twist and Shout, Smoke on the Water

Rasch wechselt die partyerprobte Gruppe zu Oldies. Twist and Shout, Smoke on the Water, Satisfaktion, Born to be wild – der Saal kocht. Über zehn der 20 Jahre, die Manni Baur der Hätzblatt-Frontman war, habe ich miterlebt. Die Gruppe bei Auftritten begleitet, Interviews geführt, Storys mit den Hätzblättern gemacht. Höhepunkte (auch journalistisch) waren die Jahre 2002 und 2008, als Hätzblatt zweimal die “Närrische Hitparade des WDR” gewann. Mit “We will rock you” und “Highway to hell” gehts ins Finale. Wer jetzt nicht auf seinem Stuhl steht, tanzt im Gang….

Ein wenig Wehmut ist jetzt dabei

Manni ist oder besser war von Beruf Standesbeamter. Auch diesen “Traumjob” kann er seit einiger Zeit nicht mehr ausüben. Die Gesundheit. Und jetzt auch das Ende der Musikerkarriere. Ist es nicht seltsam zum letzten Auftritt zu gehen? “Ja, ein wenig Wehmut ist jetzt dabei. Vorhin im Bus, auf dem Weg hierher, da kam es über mich…”, erzählt Manni vor dem Auftritt. Man merkt ihm an, dass es mehr ist, wie er verraten will. Nein, eine große Verabschiedung wollte er nicht. Alles sollte ganz still über die Bühne gehen. Geht aber nicht. Wenn man des Rest von Hätzblatt kennt.
Chris ergreift das Mikro. Er erzählt jetzt, dass dies Mannis letzter Auftritt mit Hätzblatt ist. Plötzlich wird es ruhig im Saal. Die eben noch auf Stühlen tanzten, stehen jetzt etwas verlegen dar. Damit hatte niemand gerechnet.
Ein wenig rettet jetzt Präsident Peter-Josef Gormanns die Situation. Er erzählt von den ersten Auftritten der Hätzblatter in Venrath, weiß kleine Geschichten zu erzählen. Dann gibts Abschiedsgeschenke. Von der Hätzblatt-Mannschaft, die inzwischen samt Techniker, Fahrer und Fotograf auf der Bühne ist, gibt es zum Abschied ein gewaltig großes Bild. Alle Hätzblätter – auch die Ex-Mitglieder, sind darauf mit Fotos zu sehen.

Für seine Abschiedsworte setzt er sich auf die Treppe

Manni kämpft inzwischen mit den Tränen. Er ist gerührt. Für seine Abschiedsworte setzt er sich auf die Treppe, die zur Bühne hochführt. “Danke”, sagt er immer wieder. Und das die Zeit mit Hätzblatt eine sehr schöne war.

Der Ausmarsch. Draußen umarmen wir uns. Auch ich, wie übrigens alle anderen aus der Hätzblatt-Mannschaft, habe feuchte Augen. Eine Ära geht heute bei Hätzblatt zu Ende. Fast eine Stunde, statt der geplanten 20 Minuten, war Hätzblatt auf der Bühne. Es ist kühl in Venrath. Inzwischen ist längst Rosenmontag.

Am Ende kämpfte auch er mit den Tränen – Manni Baur

 

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