Bei der „Rote Rosen“ -Studioführung´dabei

Eine Führung durch die Kulissen von ROTE ROSEN

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Seit 2006 wird in Lüneburg die Telenovela ROTE ROSEN gedreht. In den Studios am Rande der Stadt können bei Führungen die Räume besichtigt werden, in denen die Innenaufnahmen von ROTE ROSEN entstehen.
Kantinenfoto der Staffelbesetzung 2014

Rote Rosen-Studio Lüneburg: Der Krankenhausflur

Der Flur ist leergefegt. Niemand ist zu sehen. Keiner zu hören. „Städtisches Klinikum – Haus 3“, lese ich auf einem Schild. Am Ende des Ganges geht es links zur Station B mit den Abteilungen „Kardiologie“ und „Onkologie“, nach rechts zur „Station A“. Ich bleibe ratlos stehen. Hinter mir höre ich die Schritte der 25 anderen, die mir folgen. „Bitte hier rüber“, sagt eine Frauenstimme von rechts. Also doch zur Abteilung „Forschung und Labor“, wie es auf dem Wegweiser steht. War es vielleicht Dr. Britta Thies, die mich gerufen hat, überlege ich. Nein, das geht nicht, sagt mir mein Verstand. Dr. Britta Thies, die im Lüneburger Krankenhaus arbeitet, wird von Jelena Mitschke gespielt. Und die ist zur Zeit ja gar nicht im Studio. Die blonde Schauspielerin bekommt nämlich gerade Nachwuchs.

Studio Hamburg Serienwerft

Dann sehe ich die junge Frau, die mich gerufen hat. Sie steht nicht in der Tür zum Labor, das es hier überhaupt nicht gibt, sondern in der einzigen Tür, die sich am Ende dieses kurzen Flurs befindet. Der Tür zur Kantine. Die junge Frau ist Mitarbeiterin einer Produktionsfirma und wird mich, wie die 25 anderen, die mir folgen, durch die Filmstudios der Telenovela „Rote Rosen“ führen.
Sonntagmittag. Eigentlich Zeit zum Essen. Doch für die 25, die sich heute im leergefegten Industriegelände am Rand der Stadt Lüneburg treffen, ist das jetzt nicht so wichtig. Speisen kann man schließlich später noch. Denn das, was wir in den kommenden rund 60 Minuten sehen werden, darauf haben die meisten mehrere Wochen sehnsüchtig gewartet: eine Besichtigung der Fernsehstudios der „Studio Hamburg Serienwerft“. Das Gebäude ist für die Gäste, die teilweise aus allen Gebieten Deutschlands angereist sind, kein normales Filmstudio. Nein, es ist für sie eher schon ein Kultort.

Keine Fotos während der Führung durch die Kulissen

Seit 2006 wird hier, an der Lilienthalstraße, die Telenovela „Rote Rosen“ gedreht. Die Geschichte um Liebe, Leid, Intrigen und Glück wird werktäglich in der ARD ausgestrahlt – und eigentlich fast alle hier sind Stammseher. Zwar hat nicht jeder die Serie seit Folge 1 verfolgt, viele sind im Laufe der Jahre erst zu Fans geworden, doch auskennen tun sich eigentlich alle. Mit der Story, den Darstellern, den Rollen, und den Orten der Filmhandlung.
Nachdem der Pförtner am Eingang zu den Studios mich durch die Glastüre in den Studiokomplex ließ, ging es bereits rein in die Kulisse. Der NDR hat hier, in einer ehemaligen Produktionshalle für Kopierer, einen Krankenhausgang nachbauen lassen. Denn hier passiert bei „Rote Rosen“ auch einiges. Zumal seit Jelena Mitschke die Rolle der Dr. Britta Thies spielt. Durch diese erste Kulisse führt der Weg zur Kantine – dort, wo Filmteam und Schauspieler tatsächlich Mittag essen -, in der alle an einer provisorischen Kasse nicht nur 12 Euro Eintrittsgeld für die Führung zahlen, sondern auch einige Verhaltensregeln erklärt bekommen.
„Rote Rosen“ hat als Zielgruppe weibliche Zuschauer der Altersgruppe 40+. Klar, dass auch die Fans, die an der Führung teilnehmen älter sind. Die meisten gehören zur Zielgruppe, einige Rentnerinnen sind auch dabei, und natürlich auch Männer. Von denen kennen sich wiederum einige recht gut mit den Handlungssträngen der aktuellen Staffel aus. Andere wiederum betonen, dass sie schließlich nur als Begleiter und Fahrer ihrer Frau hier sind.
„Keine Fotos während der Führung durch die Kulissen“, scheint die wichtigste Verhaltensregeln zu sein. Das jedenfalls ruft nun eine weitere junge Dame in den Raum. Sie stellt sich als Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit vor und wird uns durchs Studio begleiten.

Zur Gärtnerei Albers

Davor nutzen alle die Gelegenheit, wenigstens in der Kantine Fotos zu schießen. Sei es vom Schriftzug „Rote Rosen“ an der Wand oder dem großformatigen Foto, dass die Darsteller der aktuellen Staffel auf und um ein Sofa versammelt zeigt. Um 12 Uhr beginnt die Führung. Die beiden Damen, die uns begleiten, haben darin Übung. Schließlich ist dies bereits die dritte Führung an diesem Wochenende. Rasch geht es vorbei an schwarzen Vorhängen, durch Metalltüren und einen Gang in einen großen Raum, den wir gleich als Gärtnerei identifizieren. Das hier ist eines von drei Studios für die Rote Rosen-Dreharbeiten und dient als Innenraum der „Gärtnerei Albers“.
Die Rote Rosen-Studios liegen im Industriegebiet von Lüneburg/ Foto: Kronenberg

 

Erika Rose und echte Blumen

Die Außenaufnahmen des Gebäudes werden im Lüneburger Vorort Ödeme vor einer richtigen Gärtnerei gedreht, erzählt unsere Begleitung. Regale voller Blumen, Topfpflanzen überall. „Die Blumen sind alle künstlich“, höre ich. Nur bei Dreharbeiten, wenn Madeleine Lierck-Wien, sie spielt die Rolle der aktuellen Staffel-Gärtnerin Erika Rose, zum Beispiel mit Blumen vor der Kamera arbeitet, dann sind das echte Blumen. Künstliche würden schließlich ein Geräusch erzeugen, weiß eine Besucherin.
„Da hinten“, sagt unsere Begleitung und zeigt auf Räume hinter dem Verkaufsraum, „liegen das Wohn- und das Schlafzimmer von Merle.“ Da haben in den letzten Staffeln auch schon Robin, Rieke und dann Mick gewohnt, weiß ein weiblicher Serienfan zu ergänzen. Da drüben ist das „Teestübchen“, heißt es mit Hinweis auf einen kleinen Verkaufsraum.“Der wird aber zu wenig genutzt“, bedauert ein Gast. Wir verlassen die Gärtnerei und gehen in das größte Studiogebäude. Entlang der Gänge sind hier Kulissen aufgebaut. Zimmer, Flure, ganze Wohnungen, Büros…

Im Fernsehen sehen die Räume aber größer aus

An der Decke hängen unzählige Scheinwerfer. Die Kameras, Mikrophone etc sind abgedeckt oder wohlverwahrt anderswo weggeschlossen worden. Ein paar Monitore, an denen die Regisseure arbeiten – hier wird beim Drehen live aufgezeichnet, sind zu sehen. Alles ist überaus eng. „Im Fernsehen sehen die Räume aber größer aus“, sagt ein Fan – unsere Begleitung nickt.
Die Filmteams drehen meist montags und dienstags Szenen in der Stadt. Echte Fans kennen jedes Haus, das in der Telenovela bereits eine Rolle spielte. Gedreht werden, neben den Spielhandlungen, von außen Wohnung, Büro, Geschäft und Werkstatt, wo die Szenen spielen. Rote Rosen vermittelt dem Zuschauer so, die Serie spiele tatsächlich in Lüneburg – und hat damit Erfolg. Der „Rote Rosen“-Tourismus spült seit 2006 viele neue Besucher in die Stadt in der Lüneburger Heide. Die Innenaufnahmen dagegen werden alle im Studio in Kulissen gedreht. Durch die Wohnungsfenster aber hat man stets einen Ausblick auf bemalte Stoffwände. Und die wiederum zeigen reale Bilder der Lüneburger Innenstadt.

Wo Bürgermeisters Thomas Jansen regiert

Die Fans staunen über vieles, was wir in den folgenden Minuten sehen. Dort ist das Büro des Bürgermeisters Thomas Jansen (gespielt von Gerry Hungbauer) mit wuchtigem Schreibtisch. Fast daneben liegt der Raum der ehemaligen Fahrradwerkstatt. Dort hat jetzt Sebastian, der Produktentwickler, (gespielt von Klaus Zmorek) sein Büro und seine Wohnung. Gleich daneben eine Seifenküche und ein Verkaufsladen. „Früher stand hier die Deko des Teeladens“, weiß eine Besucherin. Unsere Begleitung lächelt. „Im Seifenladen wird jetzt schon gedreht. Sie sehen die Folgen erst später“, verrät sie.
Zehn Wochen ist das Rote Rosen-Team beim Drehen der Ausstrahlung voraus. Jenny Jürgens, die weibliche Hauptrolle dieser 11. Staffel, wird sich also in wenigen Wochen mit einem Seifenladen selbstständig machen, schließe ich daraus. „Natürlich“, höre ich die Antwort. Alle Hauptdarstellerinnen machen sich in ihrer Staffel irgendwann selbstständig… Alle nicken wissend. Jetzt jedenfalls verkauft Jenny Jürgens als Jana Greve derzeit schon Seife im eigenen Laden – im TV sehen werden wir das erst im Januar.

Torben Lichtenhagens Wohnung

Gleich gegenüber ist Torben Lichtenhagens Wohnung. Der Rechtsanwalt (gespielt von Joachim Kretzer) ist verheiratet mit Carla Saravakos (Maria Fuchs). Sie war – jedenfalls bisher – die Chefin des Restaurants „Carlas“.
Das aber gibt sie gerade auf – jetzt stehen wir vor der Kulisse des Restaurants. An der Wand hängt die Tafel mit den Gerichten. „Die werden wir demnächst öfters austauschen“, verrät unsere Studioführerin. Bisher nämlich hatte man das nicht getan, sodass es jeden Tag im Restaurant das gleiche zu essen gab. Die Zuschauer hatten protestiert. Jetzt also werden die Menüs öfter mal wechseln…
Dann stehen wir vor Johannas Wohnung – Wohnzimmer und Küche. Brigitte Antonius spielt die Rolle der Johanna Jansen und ist bereits seit der ersten Folge Rote Rosen dabei. Inzwischen ist sie über 80 Jahre alt. Und obwohl ihre Rolle kleiner geworden ist – die Schauspielerin ist nicht nur mit Herz dabei, sie gehört zu den beliebtesten Darstellern der Telenovela. Jedenfalls bei den Fans.

Im Rosenhaus bei der „Hauptrose“

Dann endlich kommen wir zum „Rosenhaus“ – von Anfang an einer der Dreh- und Angelpunkte der Serie. Denn in diesem Haus wohnt stets die „Hauptrose“, die Hauptdarstellerin der Staffel. Zu sehen ist der Eingangsbereich, der von Staffel zu Staffel natürlich anders dekoriert wird. Interessant für die Studiobesucher ist die Treppe, die zur ersten Etage führt. Denn die endet oben auf einem Podest. Die Schauspieler, analysiert ein Fan, gehen also die Treppe hoch und warten oben auf dem Absatz, bis die Szene abgedreht ist. Eine Tür irgendwohin jedenfalls gibt es nicht. „Stimmt“, bestätigt die Studiobegleitung.

Wenn im „3 Könige“ die Nummern gewechselt werden

Vorbei geht es nun an den Kulissen, die Wohnzimmer und Küche des Rosenhauses zeigen. Dann das Hotelzimmer im „3 Könige“, indem die Regie durch den Seitenwechsel des Bettes und den Zimmernummerntausch der Eindruck erweckt, in einem anderen Hotelzimmer zu sein. Beim Drehen aber ist es immer der gleiche Raum. Gleiches macht man bei dem kleinen Hotelflur. Durch Auswechseln der Zimmernummern und dem Standortwechsel einer Kommode wird der Eindruck erweckt, in einer anderen Hoteletage des „3 Könige“ – dem zweiten Dreh- und Angelpunkt der Telenovela – zu sein.
Hinter dem großzügigen Hotelfoyer mit Rezeption (die Fahrstuhltür wird übrigens von einem Mitarbeiter beim Dreh per Handkurbel geöffnet und geschlossen) und einem Büro (dort arbeitete zuletzt Mick, jetzt Esther – wissen die Fans), liegt ein Mitarbeiterraum („Hier gehen unsere Schauspieler auch hin, wenn sie etwas diskretes zu besprechen haben“), dahinter das Büro von Hoteldirektor Gunther Flickenschild. Weiter geht es zum Büro des aktuellen „Bösewicht“ Dirk Drechsler (Klaus Christian Schreiber).
Viele neugierige Blicke gibt es, als wir an der Kulisse vorbeikommen, in denen „die WG“ wohnt. Eigentlich besteht die WG-Kulisse nur aus der Küche und einem Zimmer daneben. Wenn die WG-Bewohner in ihren Zimmern gezeigt werden, ist es übrigens immer dieser eine Raum. Ein Plakat der (fiktiven) Rockgruppe „Rainy Birds“ hängt an der Zimmerwand einer weiteren Kulisse. Hier soll die „Laube“ von Hannes (Claus Dieter Clausnitzer) sein, der bei Rote Rosen in einem Gartenhaus lebt.

Viel Schaum im Badezimmer

Weiter geht es vorbei an vielen Räumen der Darsteller: Jans Schlafzimmer, Nathalies Zimmer, die Wohnung der Ebingers, die Dachwohnung von Ben und Britta – die Fans staunen, fragen, wundern und freuen sich über jede Information zur Telenovela und den Darstellern, die sie aufschnappen können.
Am Ende dann stehen wir vor der Kulisse eines Badezimmers. Hier haben schon viele wichtige Szenen gespielt. Die Fans nicken wissend, als die Studioführerin einige der Szenen erwähnt. Und die Badewanne, sagt sie, war ja schon oft im Einsatz. „Aber mit viel, viel Schaum gefüllt“, betont sie. Schließlich sind die Schauspieler, die in der Wanne liegen, beim Dreh nur sehr leicht bekleidet. Und die Serie wird schließlich mittags um 14 Uhr ausgestrahlt. „Wenn hier Badeszenen gedreht werden, dürfen nur die für den Dreh notwendigen Mitarbeiter im Raum bleiben“, sagt sie. Auch der Livestream für die Monitore der anderen Büros wird dann ausgeschaltet. Die Fans staunen.

Montag kommen die Rote Rosen-Stars wieder

Wir gehen zurück zur Kantine. Die Besucher bestürmen nun die Studiomitarbeiter noch mit vielerlei Fragen. Über die Story und die Darsteller. Durch den Klinikflur gehe ich in Richtung Pförtner. Hinter einer Türe meine ich ein Geräusch zu hören. Vielleicht, überlege ich, ist Dr. Thies ja doch schon wieder da. Auf einem Gruppenbild an der Wand jedenfalls lächelt sie mir zu. Genauso wie die anderen Darsteller der Roten Rosen, deren Wohnungen ich mir gerade angesehen habe. Montag jedenfalls werden sie wieder in den Küchen, Wohnzimmern, Büros, Hotel und Restaurant, in Schlafzimmern, Bad und Werkstatt diskutieren, frotzeln, streiten und lieben. Und ich werde vor dem Fernseher sitzen und sie dabei beobachten.
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  1. Sabine Neufert says:

    Wunderbares rote rosen team! Autoren, kameras, schauspieler und allen weiteren beteiligten vielen lieben dank. Auch danke für den fantag 2019.ihr seit grossartig. Lg sabine ausrolfsbüttel

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