3 Orte, die Du in Übach-Palenberg sehen solltest

3 Orte die man in Übach-Palenberg im Kreis Heinsberg sehen sollte: das Römerbad, die Karlskapelle und die ehemalige Zeche Carolus Magnus

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Kaiser, Kohle, Römer – drei Epochen der Geschichte. In Übach-Palenberg kann man die Spuren der Geschichte bis heute sehen. Eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert, deren Vorgängerbau eine Jagdkapelle von Karl dem Großen war, das ausgegrabene Bad einer römischen Villa und Erinnerungen an die Zeche Carolus Magnus sind Zeitzeugen der langen Geschichte der Stadt, die knapp 20 Kilometer von Aachen entfernt und gleich an der Grenze zu den Niederlanden liegt.
Die Reise zurück in die Zeit beginnt an der ehemaligen Zeche.

Übach-Palenberg war wegen der Kohle bekannt. Am Rand des Aachener Reviers gelegen, wurde hier in der Zeche Carolus Magnus seit Anfang des 20. Jahrhunderts Steinkohle abgebaut. Der Grubenname ist eine Ehrung für Karl den Großen.

1962 schloss die Zeche. Erinnerungen findet man am Carolus Magnus Centrum an der Carlstraße. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Zeche, hier war die sogenannte Lohnhalle und ein Theatersaal, ist heute Technologie- und Gründerzentrum mit Büroräumen für zahlreiche Unternehmen.

Mit dem Bergbau wuchs die Stadt

Übach-Palenberg ist mit dem Bergbau gewachsen. Die Orte Übach und Palenberg wuchsen in den Jahren des Steinkohlebergbaus zusammen. Die Einwohnerzahl wuchs stetig. In Palenberg zum Beispiel von 400 auf über 4400, in Übach von rund 1600 auf über 5500.

Gedenktafel am ehemaligen Bergwerksgelände

Am Carolus Magnus Centrum befinden wir uns auf dem ehemaligen Zechengelände. Vor der eindrücksvollen Ziegelsteinfassade erinnert an der Straße eine Lore mit der Nummer 78 an das Ende der Grube. Es ist die letzte Lore, die am 31. Dezember 1962 Steinkohle aus 700 Metern Tiefe nach oben brachte.  Wenige Meter entfernt erinnert eine Gedenktafel an 13 Bergmänner der Zeche, die hier 1913 bei einem Grubenunglück starben.

Unweit erhebt sich die letzte der beiden Halden des Bergwerks. Daneben steht der zur Zeche gehörende Wasserturm. Er ist ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt. 1912 errichtet, ist das Standgerüst mit seinem 500 m³ fassenden Kugelbehälter 49 Meter hoch.

Hier das Video

Wo Karl der Große jagte

Nicht weit entfernt im Ortsteil Palenberg liegt an der Frankenstraße die Petruskapelle. Unter diesem Namen kennt die Kapelle aber kaum jemand. In Übach-Palenberg heißt sie Karlskapelle. Der Name als Hommage an Karl den Großen ist kein Zufall. Der Vorgängerbau des heutigen Steinbaus, eine Kirche aus Holz, soll eine Jagdkapelle Karls des Großen gewesen sein.

Die Karlskapelle/ Alle Fotos: Kronenberg

Das ist nicht unmöglich. Aachen mit seiner Kaiserpfalz ist nicht weit entfernt und Karl der Große war für seine Jagdausflüge bekannt. Gesichert ist, dass man hier bei Ausgrabungen Holzpfosten einer kleinen Kirche aus dem 8. Jahrhundert fand. Die zeitliche Nähe zum Kaiser ist also gegeben.

Der heutige Steinbau entstand im 11. Jahrhundert. Fast festerlos thront der weißgestrichene Bau auf einem Hügel. An Baumaterialien wurde im Laufe der Zeit alles mögliche genutzt: Bruchsteine und römische Ziegelbrocken, mittelalterliche Backsteine, sogenannte Lesesteine, Flusskiesel, Zementverputz und auch Flickmörtel.

Der kleine Friedhof neben der Karlskapelle

Um 1060 begann der Bau des Schiffs. Im zwölften Jahrhundert kamen dann ein Seitenschiff und eine halbrunde Apsis dazu. Neun Meter ist die Karlskapelle lang und sechs Meter breit. Nur wenig Licht dringt ins Innere. Die Fenster in der Süd- und Nordwand sind vermauert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg baute man eine Vorhalle an, die sogar einen Kamin hat. Innen gibt es zudem Wohnräume für eine Wache. Denn die Karlskapelle eignete sich wegen ihrer erhöhten Lage auch als Ausguck. Wer die Karlskapelle aufsucht, sollte einen Blick neben das Gebäude werfen. Hier liegt ein kleiner Friedhof mit uralten Kreuzen aus Sandstein.

Der Friedhof neben der Karlskapelle

Auf den Spuren der Römer

Während wir an der Karlskapelle tausend Jahre zurück in die Geschichte reisen, gehen wir mit einem Besuch im Naherholungsgebiet Wurmtal weitere 800 Jahre zurück. Denn in dem Gelände am Fluss Wurm gibt es Spuren der Römerbesiedlung aus dem 2. und 3. Jahrhundert.
Dem Park an der Wurm nähert man sich am besten über der Ort Marienberg. Vom Parkplatz an der Straße “In der Schley” aus führt der Weg ein kurzes Stück entlang der Wurm und dann über Holzbrücken.

Zur Römerzeit führte hier die Via Belgica, eine Herrstraße, von Köln über Aachen bis zur Küste. Auf etwa 5 Kilometern durchquerte sie das heutige Stadtgebiet von Übach-Palenberg. Entlang dieser Heerstraße siedelten einige reiche Römer. So auch in Übach-Palenberg. Hier lag an der Wurm im 2. und 3. Jahrhundert ein römischer Gutshof.

Die Villa wurde bei Bauarbeiten gefunden

1988 legte man den Park an der Wurm mit seinem See an. Bei den Bauarbeiten stießen die Arbeiter auf die Reste der Villa. Sie bestand aus insgesamt zehn Gebäuden. Ein Großteil der Gebäude liegen heute wieder versteckt unter dem Aussichtshügel am See. Das ausgegrabene Bad der Villa ließ man freigelegt.

Außenwand des Römerbades

Seine Mauerreste liegen heute direkt Ufer des Sees. Knapp ein Meter sind sie hoch. Allerdings hat man etwas nachgeholfen. Die niederigen Originalreste wurden etwas aufgemauert. Neu und alt sind aber klar an der Steinfärbung und einer Rille im Mauerwerk zu erkennen.

13 mal 6 Meter war das römische Badehaus mit Auskleideraum groß. Welcher Raum wo lag kann man dank einer guten Beschriftung deutlich sehen. Der römische Besitzer der Villa betrat das Bad von Norden über einen Aus- und Ankleideraum. Es folgt das Kaltbad, das sogenannte Frigidarium. Mit einem Stahlrost hat man das ehemalige Tauchbecken im Raum abgedeckt. Vermutlich auch, damit es Parkbesuchern nicht weiter als Müllgrube dient.

Warmbad mit Heizungsanlage

Im Anschluß betritt man das Warmbad, einen beheizten Baderaum, das sogenannte Caldarium mit angeschlossenem Schwitzraum. Beheizt wurde der Raum über eine Fußbodenheizung. Teile davon wurden rekonstruiert.

Zu sehen sind mehrere Ziegelsteintürmchen mit einer Deckplatte. Unter diesen Fußboden wurde durch ein Rohr heiße Luft geleitet und so der Raum erwärmt. Das Rohr kam aus der sogenannten Feuerung. Das ist der Raum hinter dem Warmbad, den der Badegast nicht zu sehen bekam. Hier brannte das von Diener entfachte Feuer.
Die Abwasser aus dem Bad leiteten die Römer nach außen in die Wurm. Die nämlich floss damals an den Mauern der Villa vorbei. Heute ziehen dort Enten und Schwäne auf dem kleinen See ihre Runden.

Der Hügel am See bietet eine gute Aussicht auf alle drei Epochen der Geschichte Übach-Palenbergs. Weiter unterhalb das römische Bad, nicht weit entfernt die Karlskapelle und weiter hinten erhebt sich der Wasserturm von Carolus Magnus über den Dächern der Stadt. Kaiser, Kohle, Römer – diese drei Epochen der Geschichte erfasst man von hier aus mit einem Blick.

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