Zitadelle Petersberg | Erfurt

Die Zitadelle Petersberg über Erfurt ist eines der sehenswerten Ziele in der Stadt. Hoch interessant ist eine Führung durch die "Horchgänge"

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Wer Erfurt besucht, kommt um einen Besuch auf der Zitadelle Petersberg nicht herum. Sie thront über der Stadt, unverkennbar neben dem Dom zu sehen. Der Aufstieg dahin ist über den Fußweg möglich. Der Hügel ist nicht hoch, der Anstieg über den breiten Fußweg (auch über eine Treppe kann man an einem kleinen Weinberg vorbei hochklettern) strengt dennoch an. (Tipp: Man kann von der anderen Seite auch mit dem Pkw hochfahren; oben gibt es Parkplätze). Der Aufstieg aber lohnt. Denn die Zitadelle Petersberg ist eine der größten und besterhaltenen Stadtfestungen aus dem 17.Jahrhundert in Deutschland.

Zitadelle Petersberg: Barocke Anlage im neuitalienischen Stil

Die barocke Anlage wurde 1665 von Kurfürst und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn als Zwingburg gegen die Stadt im neuitalienischen Stil errichtet. Die Erfurter nämlich wollten damals den Herrschern aus Mainz keine Steuern mehr zahlen, also stellte der Bischof die Stadt mit Hilfe der Zitadelle “unter Beobachtung”.

Das Eingangstor zur Festung

Später sollte die Anlage als nördlichste Festung das Kurfürstentum vor Angriffen der Protestanten schützen. Auch die Franzosen unter Napoleon und die Preußen hielten die Anlage einige Zeit im Besitz. Bis zur deutschen Reichsgründung 1871 wurde die Zitadelle Petersberg als Befestigungsanlage genutzt. Seit 1963 wird die Zitadelle auch touristisch genutzt.

In der Peterskirche – vor der Zitadelle war hier oben ein Kloster – richtete man zur DDR-Zeit ein Lager eines Schuhkombinates ein. Ein Teil des Hügels war übrigens Sperrgebiet, denn in der alten Wache befand sich ein Stasi-Gefängnis.

Rechts das moderne Cafe, links ein restauriertes Gebäude

Dieser Ausblick über Erfurt lohnt

Hier hoch kommt man zum Ausblick auf Erfurt (der lohnt!) und um entweder zwischen den erhaltenen Gebäuden (meist nicht restauriert) zu schlendern oder entlang der Festungsmauer zu gehen. Dort jedenfalls hat man immer wieder neue und andere Ausblicke auf  die Dächer der Stadt.

Im Eingangstor gibt es ein kleines Zitadellenmuseum. Drinnen nachgebaut ist eine Wache; zu sehen gibt es z.B. Kanonenkugeln, Waffen und ein Modell der Anlage.

Sicherheit durch Horchgänge

Wer etwas besonderes erleben möchte, dem empfehle ich die Teilnahme an einer “Funzelführung”.

Kaserne und Kirche (rechts)

In der Festungsmauer nämlich gibt es sogenannte Horchgänge. In ihnen patrouillierten Soldaten – und in denen kann der Besucher heute auch langgehen. Im Dunkeln allerdings, bewaffnet nur mit einer Taschenlampe (die man selbst per Handbewegung aufladen muss).

Festungen wie diese Zitadelle waren eigentlich uneinnehmbar. Fußtruppen schafften die Eroberung wegen der hohen Mauern und der Bastionen nicht, Luftangriffe waren relativ sinnlos und eine Belagerung mit dem Aushungern der Gegner dauerte sehr lange. Eine Möglichkeit war es, eine Festung “unterirdisch” zu erobern. Die Angreifen gruben einen Tunnel bis zur Mauer uns sprengten dann ein Loch rein… Und um das zu verhindern, gab es die Horchgänge. Enge Gänge in der dicken Mauer, in denen Soldaten Streife gingen. Ihre Aufgabe war zu horchen. Sie achteten auf Kratzgeräusche, die beim Graben eines Tunnels entstehen. So wäre man für den Angriff vorgewarnt und konnte sich bei einer Sprengung frühzeitig in Position bringen.

Auf dem Petersberg ist es allerdings nie zu solch einem Angriff gekommen.

Das Eingangstor zur Zitadelle

Mit der Funzelführung durch die Horchgänge

Die “Funzelführungen” starten am Fuß des Petersberges (am Domplatz), führen durch das Museum im Torbogen und von dort geht es in die Horchgänge. Allerdings werden die Besucher vorher in einen Testgang geführt. Man will sehen, ob einer der Teilnehmer (auch für Kinder ist die Führung geeignet) unter Klaustrophobie leidet oder Panikreaktionen im Dunkeln bekommt.

Die Gänge nämlich sind relativ schmal und es ist dunkel. Wir gehen nur im Schein der selbstaufgeladenen Taschenlampen. Es geht über unregelmäßig hohe Stufen hinter ins Mauerwerk, dort geschätzte 400 Meter durch einen Gänge (hier gibt es auch Stufen – schwer im Dunkeln zu sehen) und dann über Treppenstufen wieder hinauf.

Meine persönliche Meinung: Die Führung macht nicht nur Kindern Spaß. Die Führerinnen wissen viel wissenswertes und interessantes zu erzählen. Wer also auf der Zitadelle das besondere Erlebnis sucht, sollte an der Führung teilnehmen.

 

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