Am Kyffhäuser bei Kaiser Barbarossa

Über dem in Stein geschlagenen erwachenden Barbarossa reitet Kaiser Wilhelm I. Ein Besuch am Kyffhäuser im Süden des Harz in Thüringen

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Der Harz liegt in Sichtweite. Wir sind im Kyffhäusergebirge. Während der Kaiser schläft wächst sein Bart um einen Steintisch. Bis jetzt reicht er zweimal herum. Alle hundert Jahre wacht der Kaiser auf und wenn dann noch immer Raben um den Berg kreisen, schläft er für ein weiteres Jahrhundert  weiter. Wenn keine Raben mehr da sind, heißt es, dann erheben sich Kaiser Barbarossa und sein Heer für die letzte Schlacht zwischen Gut und Böse….

Eine deutsche Sage. Kaiser Barbarossa schläft seit dem Mittelalter in einer Höhle des Kyffhäusergebirges im Süden des Harz in Thüringen. Und die Deutschen warten auf die Rückkehr des Kaisers. Ein Mythos, der vor allem im 18. Jahrhundert begeisterte.

Der Kyffhäuser ist ein Mittelgebirge, 12 Kilometer lang und fünf Kilometer breit, nur wenige Kilometer südlich des Harzes.

Auf seiner höchsten Erhebung stand im Mittelalter eine riesige Reichsburg. Und genau dort baut man Ende des 19. Jahrhunderts das Kyffhäuserdenkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I., das an den Mythos um Kaiser Barbarossa erinnern soll.

Das Kyffhäuserdenkmal vom Barbarossaturm aus gesehen

81 Meter hoch ist das Monumentaldenkmal, das eigentlich nur kurz “Kyffhäuser” genannt wird. Früher wie heute ist der Kyffhäuser ein Hotspot für Touristen, eine Sehenswürdigkeit, die man bei einer Thüringen- oder Harzreise nicht verpassen sollte.

Mit dem Shuttle zum Kyffhäuser-Denkmal

Interessant ist die Anreise. Eine Straße führt von Steinthaleben bergan. Unterhalb des Denkmals, in Höhe des Hotels, gibt es einen großen Parkplatz. Wer jetzt nicht zu Fuß hochgehen will, kann einen Shuttelbus nutzen. Er fährt die letzte Strecke, eine schmale Straße, hoch bis zum Eingang des Denkmals.  Übrigens: Wenn man wird zurück zum Parkplatz möchte, muss man an der Kasse Bescheid geben, dann wird der Shuttle telefonisch angefordert. Ein perfekter Service!

Der erwachende Barbarossa

 

…schaut grimmig

Von Eingang aus gelangt man auf eine große Terrasse zu Füßen des Denkmals, das zwischen 1890 bis 1896 zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. errichtet wurde. Es ist übrigens nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica das drittgrößte Denkmal Deutschlands.

Der Weißbart auf Rotbarts Thron

Nach dem Tod Wilhelms I. 1888 wurden in ganz Deutschland Denkmäler zu Ehren des Kaisers errichtet. Eben auch das Kyffhäuserdenkmal. Wilhelm I. war preußischer König und deutscher Kaiser. Er hatte, so der damalige Mythos, mit der Reichseinigung von 1871 die Barbarossasage erfüllt. Er wurde als der „Weißbart auf Rotbarts Thron“ bezeichnet.

Über die Terrasse nähere ich mich dem Denkmal. Wenige Stufen geht es rauf. Der Architekt Bruno Schmitz, er hatte auch das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig entworfen, zeigt am Turmsockel Kaiser Barbarossa. Von der Terrasse blickt man auf den in Stein gemeißelten Barbarossa.

Auch die Raben sind da

6,50 Meter hoch ist die Figur aus Sandstein. Zerzaust und wild schaut er aus. So, als ob er gerade aus tiefem Schlaf erwacht. Ritter und Fabelwesen ruhen zu seinen Füßen. Es soll wohl seine Gefolgschaft sein, die mit ihm im unterirdischen Schloss wartet. Barbarossas Bart ist lang. So wie es in der Sage erzählt wird. Er trägt die alte Kaiserkrone. Auch die Raben sind angedeutet.

Kaiser Wilhelm I

 

Die Urne von Bruno Schmitz

Über der Höhle von Kaiser Barbarossa, sozusagen als Krönung, ragt das Reiterstandbild von Wilhelm I. hoch. Dargestellt als Feldherr mit Pickelhaube sitzt er hoch zu Ross. 11 Meter ist der Hohenzollernkaiser auf dem Pferd gross.

Durchs Erfurter Tor in die Oberburg

Seitlich führt eine Treppe hoch zu dem Bereich hinter dem Denkmal. Die ganze Ebene hier oben war der Bereich auf dem die Reichsburg gestanden hat. In ihre Ruinen baute man das Kaiserdenkmal. Die Burg wurde in der Regierungszeit von Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) gebaut. 600 Meter lang war diese riesige Anlage. Die Reichsburg bestand aus Ober-. Mittel- und Unterburg. Während Unter- und die kaum noch erfassbare Mittelburg unterhalb des Denkmals auf der anderen Seite liegen, betreten wir durch das sogenannte Erfurter Tor die Oberburg.

Schnellrestaurant im Burghof

Auf dem Plateau gibt es neben dem Burgturm und Museum samt Burgbrunnen noch ein Schnellrestaurant. Das ist allerdings ein sehr neuzeitlicher Bau. Von der Restaurant-Terrasse aus kann man nett auf den Burgturm blicken.

Am Ende des Plateaus der Oberburg steht der Barbarossaturm. Er war Wehr- und Wohnturm und letzte Zufluchtsstätte, wenn die Burg erobert werden sollte. 17 Meter ist er heute noch hoch. Im Mittelalter soll er doppelt so hoch gewesen sein. Treppenstufen führen außen an der zwei Meter dicken Mauer entlang nach oben. Drinnen gibt es eine Ausstellung zur Burggeschichte zu sehen.

Wir gehen wieder Richtung Denkmal. Ein kleines Museum mit einigen Funden der Burgausgrabungen liegt hier. Daneben führen Stufen hinunter zum Burgbrunnen. Er soll 176 Meter tief sein und ist somit der tiefste Burgbrunnen der Welt. Unten im Brunnen ist Sickerwasser, also kein Grundwasser. Ein Ablauf hält den Wasserstand auf neun Meter. 1170 wurde der Brunnen in Handarbeit angelegt. Er diente der Wasserversorgung in der Oberburg.

Die Halle im Denkmal

Auf der Rückseite des Kyffhäuser Denkmals befindet sich unten ein Eingang. Hier gelangt man in eine Halle am Denkmalfuß. Einmal führt hier die Treppe zur Spitze des Turmes hoch, zum anderen gibt es einen Nebenraum mit einer Ausstellung zu Kaiser Wilhelm I. und seinen Bezug zum Denkmal.

In einer Nische der Halle stehen zwei steinerne Urnen. Während sich in einer die Asche des Bauleiters des Denkmals befindet, steht auf der anderen der Name des Architekten, Bruno Schmitz. Sie allerdings ist leer. Nach seinem Tod wurde seine Asche in den Fuß des Denkmals gebracht; nach dem 2. Weltkrieg aber auf Wunsch seiner Verwandten nach Düsseldorf überführt. Sie hatten der DDR-Regierung nicht getraut..

Zurück am Eingang warten wir auf den Shuttle. Mein Blick fällt nochmal auf Barbarossa. Er schaut grimmig. Dann blicke ich zum Himmel. Raben sehe ich im Augenblick nicht.

 

INFO
Kyffhäuser-Denkmal
99707 Kyffhäuserland OT Steinthaleben

Öffnungszeiten:
April-Oktober 9.30-18 Uhr
November-März 10-17 Uhr

Eintritt: 7,50 (2019)
HarzCard: freier Eintritt

 

 

 

 

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Am Kyffhäuser bei Kaiser Barbarossa
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Am Kyffhäuser bei Kaiser Barbarossa
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81 Meter hoch ist das Monumentaldenkmal, das eigentlich nur kurz "Kyffhäuser" genannt wird. Früher wie heute ist "der Kyffhäuser" eine Sehenswürdigkeit, die man nicht verpassen sollte.
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