Im Museumsdorf Bayerischer Wald

Ein Tag im Museumsdorf Bayerischer Wald in Tittling zeigt die Schönheit der Häuser und Höfe in der Region - so wie es einmal war.

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Der Spaziergang in die Vergangenheit beginnt am “Mühlhiasl”. Es ist ein altes rustikales Wirtshaus mit Gaststube in der ersten Etage, das Besuchern im Museumsdorf Bayerischer Wald gleich am Eingang einen Vorgeschmack auf die Schönheit der Häuser und Höfe der Region gibt- so wie sie einmal war.

Besuch im Freilichtmuseum Museumsdorf Bayerischer Wald

Über 150 Gebäude sind es, die im Museumsdorf nahe Tittling, ihre neue Heimat fanden. Gehöfte und Wohnhäuser, Getreidespeicher, Mühlen, Kapellen, dazu bäuerlicher Hausrat und Möbel. Das alles bildet ein großes Dorf, aufgereiht um einen kleinen See – obwohl die Gebäude eigentlich so arrangiert sind, dass sie den Eindruck mehrerer kleiner Orte machen.

Das Museumsdorf Bayerischer Wald gilt als größtes Museumsdorf Europas und es ist einer privaten Initiative zu verdanken. Ein Hotelier und Reiseunternehmer machte es sich hier fast zur Lebensaufgabe, Häuser des Bayerischen Waldes für die Nachwelt zu erhalten, eine schon untergegangene Wohnkultur und -art erlebbar zu machen. Auf seinem Weg durch das Museumsdorf gelangt der Besucher im Unteren Dorf zu einem Gehöft, das wohl Tourismusgeschichte schrieb.

 

Denn hier vermietete ein findiger Landwirt in der 50er Jahren das erste Fremdenzimmer im Bayerischen Wald – der Beginn des Tourismus in der Region. Ein kleines karg eingerichtetes Zimmer im Hofgebäude. Fließendes Wasser gab es nicht – zum Waschen diente die Schüssel im Hof.

 

 

Die Armut, Einfachheit und wenig moderne waren auch die Gründe, warum sich nach dem 2. Weltkrieg die Orte und Höfe im Bayerischen Wald, so wie man die Region bis dahin kannten grundlegend veränderten.
Die ersten alten Holzhäuser verschwanden
Die ersten alten Holzhäuser verschwanden aus der bergigen Landschaft, ebenso die landwirtschaftlichen Nebengebäude. Die alten Mauern wurden grundlegend modernisiert – so, dass man die Häuser danach kaum wiedererkannte. Neue Häuser und Straßen wurden gebaut, altes abgerissen. Auch die Landwirtschaft veränderte sich. Aus den kleinen, aber selbstständigen Einheiten wurden Betriebe, die sich spezialisierten. Kleinere Höfe wurden aufgegeben, die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie lockte die Bauern in die Städte. Mechanisierung und Industrialisierung zogen auch in den Höfen ein.

 

 

In den 70er Jahren rollte eine neue Tourismuswelle über den bayerischen Wald. Gefragt war “Urlaub auf dem Bauernhof”. Damit es die Urlauber recht gemütlich und komfortabel hatten, modernisierte man die Höfe. Die alten Häuser konnten aber der Modernisierung in den letzten 60 Jahren kaum standhalten – Neubauten boomten überall.
Und damit der Abriss der letzten alten Gebäude. Eigentlich hatte Georg Hötl, ein Reiseunternehmer und Besitzer einer Buslinie, gar kein Museum bei Tittling errichten wollen. Der Unternehmer (ihm gehört übrigens Rotel Tours – die mit den “rollenden Hotels” – Busse, in denen auch übernachtet wird – auf der ganzen Welt zu finden ist) wollte 1971 am Dreiburgensee ein Appartementhaus bauen. Dafür sollte eine alte Mühle, die unweit steht, abgerissen werden.

 

 

 

 

Statt die Rothaumühle zu zerstören, entschloss sich Hötl sie zu restaurieren. 1974 wurde in ihr ein Heimatmuseum errichtet. Hötl, Beobachter des “Ausverkaufs der Heimat” durch Abriss, hatte in der Zwischenzeit gefallen am Gedanken an ein Freilichtmuseum gefunden.
Flut an Verkaufsangeboten
Eine Flut an Verkaufsangeboten an Hausrat und Häusern erreichte den Unternehmer. Sein Plan: Wenigstens ein Teil des historischen Kulturgutes und Bausubstanz soll erhalten bleiben und so späteren Generationen Zeugnis vom Leben im Bayerischen Wald geben.

150 Gebäude sind es inzwischen (viel größer soll das Museumsdorf auch nicht werden), die vor Ort zerlegt, nach Tittling transportiert und dort wieder aufgerichtet wurde. Sie kommen aus allen Regionen des Bayerischen Waldes. Viele wurden eingerichtet, wirken bewohnt. Andere werden immer wieder ausgebessert und weiter restauriert. Zu fast jedem der Häuser gibt es eine Geschichte, die auf Tafeln vor dem Gebäude erzählt wird.

Einige der Höfe werden zu Ausstellungen genutzt, in denen das Hötl überlassene gezeigt wird: Kinderspielzeug und Oldtimer, Stoffe und landwirtschaftliche Geräte, Pferdegeschirr, Zeugnisse der Volksfrömmigkeit und mehr. Handwerker führen im Museum alte Handwerkskünste vor. Auf einer Wiese schauen Schafe den Besuchern nach.

Den Schmaus nur an Festtagen gegönnt

Viele zieht es nun zum “Mühlhiasl”. Dort gibt es heute auch Schweinerücken in Rahmschwammerl. Die Bauern, die früher in den Häusern des heutigen Museums lebten, hätten sich solch einen Schmaus nur an Festtagen gegönnt. Heute können wir Museumsbesucher uns das auch an einem Wochentag leisten.

 

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