Phantasialand: Eine Reise durch die Zeit

Das Phantasialand in Brühl. Gegründet 1967. Seitdem hat sich viel verändert im Park. An den Park von 1967 erinnert heute (außer dem Gelände) nichts mehr

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Gut, es ist laut, eng und voll. Aber dennoch bleibt der Reiz. Das „Phantasialand“ bei Brühl ist eine Institution wenn es um Freizeitparks geht. Rund 1,7 Millionen Besucher im Jahr. Das spricht für den nur 28 Hektar großen Park, den es jetzt schon seit 45 Jahren gibt.  Allerdings: An den Park von 1967 erinnert heute (außer dem Gelände) nichts mehr. Da, wo im Eröffnungsjahr 1967 noch der Eingang war, ist heute der Eingang zur Varietéshow „Fantissima“.

Das Phantasialand in Brühl im Laufe der Geschichte
Vor 40 Jahren, als die Betonbauten für die Show, für Hollywood-Tour, „Temple of the Night Hawk“ und das Wuzeland noch nicht standen, kreiste hier eine kleine Eisenbahn (zum Mitfahren), fuhr eine Oldtimerbahn etc.

Phantasialand beschränkte sich auf diese Attraktionen, einen Märchenpark und eine Opern-Air-Bühne fürs Marionettentheater, später auch mit Varieténummern.

Den Themenbereich Alt-Berlin, den man vom Haupteingang aus betritt, haben Richard Schmidt und Gottlieb Löffelhardt 1970 errichtet. Die beiden Gründer des Freizeitparks, der eine Schausteller – der andere Geschäftsmann, suchten eine Möglichkeit, Puppen aus TV-Kindertrickfilmen auszustellen – die Grundlage des Märchenparks. Natürlich sieht auch Berlin – damals nannte man die Mainstreet des Parks „Unter den Linden“ – nicht mehr so aus wie vor 40 Jahren. Damals fuhren im ersten Jahr hier noch ein weißer Doppeldeckerbus und ein von Pferden gezogener Straßenbahnwagen die Straße rauf und runter. Die gibt es beide schon lange nicht mehr. Die Hausfassaden sind allesamt überarbeitet, die Geschäfte sind andere – nur der „Wintergarten“ blieb. Im Varieté „Wintergarten“ gibt es schon immer sehr gute Shows. „Sieben“ heißt die aktuelle. Eine Zaubershow (wie schon öfters) – sehr gut in Szene gesetzt.

Gegenüber hat vor kurzem das „Hotel Tartüff“ eröffnet, ein Gebäude mit rollenden Laufbändern, wackelnden Stufen, sich drehenden Tonnen etc. Früher nannte man das, was „Phantasialand“ in ein reizvolles und detailverliebtes neues Gewand kleidet, „Altweibermühle“.

Nach einem Besuch im 4D-Kino (3D-Film und einige „physische Überraschungen“) verlässt man allerdings den Bereich, der sich seit den letzten Jahren am wenigsten verändert hat. Denn „Phantasialand“ kämpft mit dem Platz. Zu wenig Raum (um den Freizeitpark ist Naturschutzgebiet; die Politik weigert sich, dem Park hier Gebiet abzutreten), um ständig neues zu bieten und das alte erhalten zu können. So kommt immer wieder die Abrissbirne zum Einsatz. Alte Attraktionen verschwinden regelmäßig – neue werden errichtet.

Wie das Brandenburger Tor. Einst Abschluss der Straße „Unter den Linden“. Dafür gibt es hier jetzt den „Kaiserplatz“ – Raum für den abendliche phantasievolle Abschlussshow. Aber die Gondelfahrt „1001 Nacht“, gebaut 1970, ist inzwischen weg. Eine kleine feine Fahrt, damals der erste „Dark Ride“ Deutschlands außerhalb der Kirmesplätze, vorbei an Marionettenszenen mit Ali Baba, dem Zyklopen, dem Vogel Rok und mehr.

Maus au Chocolat

Hier sind heute Gebäude von Souveniergeschäften, Cafés und – neben einer Großbaustelle für ein weiteres Gebäude – die Attraktion „Maus au Chocolat“. Ein Fun-Ride, bei dem man mit Hilfe eines speziellen Fahrzeugs und ausgestattet mit 3D Brille und Spritzbeutel, mit „Schoko-Kugeln“ aus der Laserpistole auf Mäuse schießt. Eine turbulente Fahrt durch eine Tortenfabrik. Macht Spaß die Fahrt!

Dahinter, wo in den 70er Jahren das Café Oriental stand, erhebt sich die Kugel des „Galaxy“, das heute „Race for Atlantis“ heißt.

Hawairestaurant  und Märchenwald

Was im Bereich um den See in den letzten Jahren geschehen ist, früher war hier der Märchenwald, das Hawaiirestaurant und einige kleine Fahrgeschäfte, lässt jeden Besucher staunen. Neben den Gebäuden für Hollywood-Tour, Fantissima und und einer Achterbahn (Dark Ride), versucht man hier ein eigenes Fantasieland zu errichten. Mehr oder weniger erfolgreich vermittelt der Park das Land des Fantasievolkes „Wuze“ mit zwei Achterbahnen (Stil: Wilde Maus) und etlichen Fahrgeschäften für Kinder, inklusive einer Bootsfahrt. Das alles ist nett per sehr fantasievoller Deko mit Häuser und Figuren in Szene gesetzt.

Von der Mainstreet in Alt-Berlin aus führt ein neuer Zugang in die anderen Themenbereiche von Phantasialand.

Die 1974 errichtete Westerstadt Silver City gibt es noch (schon im September irgendwie vorweihnachtlich geschmückt), die Silberminenfahrt auch, ebenso das mexikanische Restaurant Hazienda Don Pedro und die Eislaufshow; doch der Bereich „Wilder Westen“ gehört heute zum Themenbereich Mystery. So wie die rasante Wildwasserfahrt River Quest und das Mystery Castle (Fallhöhe von diesem Turm fast 70 Meter), die hier anstelle der 2001 abgebrannten Achterbahnen des Grand Canyon stehen.

Baustellen: Die Verkleidung der Colorado Achterbahn ist weg
Daneben geht es nach China-Town, dessen Mittelpunkt nach wie vor ein entsprechendes Restaurant ist sowie das Mad House Feng Ju Palace.

Einst von Michael Jackson eröffnet

Direkt dahinter zwei weitere interessante Attraktionen des Parks. Das Silverado Theater, in dem zurzeit die gute Show „Jump“ – Akrobatik mit BMX-Rädern und Trampolin – läuft sowie die Colorado Adventure, eine rasante Achterbahn, die an eine Minenfahrt erinnern soll und einst von Michael Jackson eröffnet wurde.
Die Deko zur Achterbahn, eine herrliche Berglandschaft, wurde jüngst abgerissen, ebenso zwei ältere Wildwasserbahnen in der Mitte des Parks. Auch hier entsteht neues – eine neue Wildwasserbahn).
Von 2006/ 2007 stammt der Bereich „Afrika“. Hier geht es durch die Achterbahn Black Mamba und den Top-Spin Talocan äußerst rasant zu. Die Zielgruppe dieses Bereichs ist ganz klar: junge Besucher.
Vom Phantasialand der der frühen Jahre ist nichts übrig geblieben. Zu radikal die Umbaumaßnahmen. Der Freizeitpark musste sich auf der einen Seite entscheiden, wer seine Zielgruppe ist (da hat man sich eindeutig zunächst für junge Besucher, in letzter Zeit zunehmend auch für Familien mit kleineren Kindern entschieden) und den Bedürfnissen des Publikums trotz nicht erweiterbarem Raum nachkommen. Und das bedeutet nun mal Abriss und nicht Erhalt. Die älteren Besucher bedauern es – die jungen sehen drüber hinweg. Trotz aller Attraktionen – inzwischen laden ja sogar mehrere Hotels zum Übernachten ein – und sehr guter Unterhaltung, beim Verlassen des Phantasialandes hat man leider oft einen Gedanken: Was werde ich beim nächsten Besuch nicht mehr wiedersehen? Was wird als nächstes abgerissen? Eigentlich ist das schade – aber wohl unvermeidbar.
Liveshow im Afrika-Themenbreich

 

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